Schickes Design, schlechte Qualität

Das Verbindungsrohr, das in das Eckventil eingeschraubt war, ist am Gewinde abgebrochen (Pfeil). Das rechte Bild zeigt den Blick auf die Bruchflächen.
Das Verbindungsrohr, das in das Eckventil eingeschraubt war, ist am Gewinde abgebrochen (Pfeil). Das rechte Bild zeigt den Blick auf die Bruchflächen.

Das Eckventil für den anspruchsvollen Geschmack hatte der Hausbesitzer, den dieser Schaden traf, selbst gekauft. Mit der Installation beauftragte er hingegen einen Fachmann. Schon bei der Inbetriebnahme trat eine erste Leckage an der Klemmringverschraubung der Design-Armatur auf. Dieses Problem konnte der Handwerker beheben, doch ein weiteres sollte folgen.

Gute drei Jahre nach der Installation kam es zu einem Wasserschaden im Badezimmer des Hauses: Das Verbindungsrohr, das an das Eckventil angeschraubt war, war am Gewinde rundum abgebrochen. Ein Stück von dessen Außengewinde war noch im Innengewinde der Armatur verschraubt, als das Asservat zur Untersuchung im IFS ankam.

Insbesondere in den Gewindekerben ist das Verbindungsrohr auffallend dünnwandig.
Insbesondere in den Gewindekerben ist das Verbindungsrohr auffallend dünnwandig.

Dem Gutachter fiel sofort die Dünnwandigkeit des Verbindungsrohres ins Auge. Insbesondere in den Gewindekerben war die Wandstärke extrem gering – im Bruchbereich betrug sie lediglich 0,26 mm.

Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen unten verdeutlichen das Problem: Wir sehen das Bild einer pfropfenförmigen Entzinkung. In der noch stärkeren Vergrößerung ist zu erkennen, dass der Materialzusammenhalt in diesem Bereich nicht mehr gegeben ist. Das kleine Bild unten zeigt die zersetzte Bruchfläche. An einigen Stellen – wir haben sie mit Pfeilen gekennzeichnet – befinden sich Bereiche mit überwiegend interkristallinen Bruchstrukturen, die zum Teil schwammartig ausgeprägt sind.

Bei Messingbauteilen der Trinkwasserinstallation ist eine Entzinkung bis zur Tiefe von 0,1mm zulässig. Wegen der extremen Dünnwandigkeit führte dies hier jedoch bereits zu einer deutlichen Schwächung und zum Bruch.

Elektronenmikroskopische Aufnahmen der Bruchfläche
Elektronenmikroskopische Aufnahmen der Bruchfläche

Ursache für den Abriss des Gewindes ist ein Produktmangel. Doch der Monteur hätte bei der Installation die viel zu dünne Wandstärke erkennen müssen. Auch gab es weder auf dem Eckventil noch auf dem Verbindungsrohr eine Herstellerkennzeichnung oder ein Prüfsiegel. Damit fehlte auch jeder Beleg, dass diese Bauteile überhaupt die technischen Anforderungen zum Einsatz in der Trinkwasserinstallation erfüllen.

Die Komponenten waren zwar schick im Design, aber ganz offensichtlich mangelhaft in der Qualität. So etwas darf ein Fachmann nicht installieren. Ob er darauf hingewiesen hat und vom Hausbesitzer angewiesen wurde, den Qualitätsstandard zu ignorieren, wissen wir nicht.

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