Nachbarschaftshilfe bei der Elektroinstallation

Die ausgebrannte Elektroverteilung im Flur. Rechts: Detailaufnahme
Die ausgebrannte Elektroverteilung im Flur. Rechts: Detailaufnahme

Der Eigentümer eines Mehrfamilienhauses hatte sich für die Erneuerung der Elektroinstallation ein Angebot von einer Fachfirma eingeholt. Er entschied sich dann aber doch dafür, die Arbeiten von einem Nachbarn ausführen zu lassen. Drei Jahre später kam es in einer der Wohnungen zum Brand.

Ein Gutachter des IFS untersuchte den Schaden am nächsten Tag. Im Flur der Wohnung befand sich die Elektroverteilung. Sie war vollständig ausgebrannt, aber glücklicherweise hatte sich das Feuer nicht weiter ausgebreitet. Lediglich der Ruß hatte sich im Flur verteilt.

Der mittlere Schraubenkopf liegt hinter dem Gabelkontakt der Kammschiene
Der mittlere Schraubenkopf liegt hinter dem Gabelkontakt der Kammschiene

Die beiden Bewohnerinnen schilderten, dass sie während des Essenkochens plötzlich Knallgeräusche aus dem Flur gehört hatten. Bei der Nachschau entdeckten sie, dass die Klappe der Elektroverteilung offen stand und es im oberen Bereich „gebrutzelt“ und gebrannt habe. Sie verließen die Wohnung und riefen die Feuerwehr.

Bei der Untersuchung fand der Gutachter an einer Dreiphasenschiene – umgangssprachlich auch als Kammschiene bezeichnet – Abschmelzungen und einen Installationsfehler an einem Kontakt zu einem Leitungsschutzschalter: Der Monteur hatte den Schutzschalter nicht richtig mit der Kammschiene verschraubt. Der Schraubenkopf hatte von der Rückseite an der Schiene angelegen und diese beim Anziehen nicht festgeklemmt. So war zwar ein Kontakt zustande gekommen und der angeschlossene Stromkreis schien auch ordnungsgemäß zu funktionieren, jedoch kam es durch den höheren Übergangswiderstand regelmäßig zur Erwärmung der Kontaktstelle.

An der Rückseite des Kontaktes sind Abschmelzungen erkennbar. Hier lag der Schraubenkopf lose an.
An der Rückseite des Kontaktes sind Abschmelzungen erkennbar. Hier lag der Schraubenkopf lose an.

Am Schadentag wurde diese fehlerhafte Verbindung – möglicherweise durch den eingeschalteten Herd – endgültig überhitzt, und umliegende Kunststoffteile gerieten in Brand. Hierdurch wurden weitere Isoliermaterialien beschädigt und es kam zu Kurzschlüssen, die von den Bewohnerinnen geräuschvoll wahrgenommen wurden.

Die Befestigung von Kontakten auf Kammschienen erfordert große Sorgfalt, da eine abschließende Zugprüfung, wie bei einem Kabel, nicht möglich ist. Vermutlich wäre der Gebäudeeigentümer besser beraten gewesen, doch den Fachbetrieb zu beauftragen. Nun hatte er den Ärger durch den Brandschaden und Schwierigkeiten, eine nachvollziehbare Rechnung über die Installationsarbeiten vorzulegen. (Ma)

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