Eine Zange zu viel, eine Prüfung zu wenig

In der Garage sind die Brandschäden dort am stärksten ausgeprägt, wo der Gasofen gestanden hatte.
In der Garage sind die Brandschäden dort am stärksten ausgeprägt, wo der Gasofen gestanden hatte.

Wenn es im Zusammenhang mit Gasflaschen zu Bränden oder Explosionen kommt, dann geschieht dies häufig kurz nach einem Flaschenwechsel. Offensichtlich nimmt nicht jeder Benutzer dieses Thema so ernst, wie es angesichts des Risikos angebracht wäre.

Im hier beschriebenen Fall hatte ein Mann seine Garage zu einem Büro umgebaut. Das Tor wurde zugemauert; in einer Seitenwand gab es eine Tür und zwei Fenster. Seinen so gestalteten Arbeitsplatz beheizte der Mann mit einem Gasofen, den er in einem Baumarkt gekauft hatte.

Als er eines Morgens den Ofen eingeschaltet hatte und nach wenigen Minuten feststellen musste, dass die Gasflasche leer war, wechselte er diese. Nachdem der Ofen mit der neuen Flasche etwa 20 Minuten heizte, hörte der Mann ein Zischen und sah Flammen am Flaschenventil. Er verlies die Garage und rief die Feuerwehr.

Auch der Ofen ist stark verbrannt.
Auch der Ofen ist stark verbrannt.

Nach den Löscharbeiten war von einem Büroarbeitsplatz nicht mehr viel zu erkennen. Als ein IFS-Gutachter später die Brandstelle untersuchte, fand er den verbrannten Gasofen und die Gasflasche im Freien neben dem kleinen Gebäude. An die Flasche war eine Verschraubung angeschlossen, aber von einem Druckminderer und einem Gasschlauch war weder an der Flasche noch irgendwo im Brandschutt etwas zu sehen. Es solle aber ein Druckminderer mit Manometer vorhanden gewesen sein, versicherte der Mann dem Gutachter.

Auf Nachfrage erklärte er dem IFS-Mitarbeiter außerdem, er habe die Verschraubung an der Gasflasche beim Wechsel am Schadentag mit einer Wasserpumpenzange fest angezogen. (Sie ließ sich auch nur mit einer Zange lösen, wie der Gutachter feststellte.) Eine Dichtigkeitsprüfung habe er allerdings nicht durchgeführt, gab der Mann zu.

Seine Bemühungen um eine dichte Verbindung in allen Ehren – anders herum wäre es richtig gewesen: Bei einer Gasflasche, wie sie hier verwendet wurde, wird der Druckminderer mit dem daran angeschlossenen Gasschlauch direkt an die Verschraubung des Flaschenventils geschraubt. Um die Dichtung nicht zu beschädigen, wird die Verschraubung nur handfest angezogen. Anschließend wird die Dichtigkeit mit einem schaumbildenden Mittel (z. B. Seifenwasser) oder einem Lecksuchspray geprüft.

An das Ventil der Gasflasche ist eine Verschraubung angeschlossen, aber weder ein Druckminderer noch ein Gasschlauch sind zu finden.
An das Ventil der Gasflasche ist eine Verschraubung angeschlossen, aber weder ein Druckminderer noch ein Gasschlauch sind zu finden.

Zu diesem Schaden war es durch ein Gasleck nach dem Flaschenwechsel gekommen. Der Benutzer hatte sich nicht an die Sicherheitsvorgaben gehalten. Mit seinen eigenen Vorstellungen über den richtigen Anschluss einer Flüssiggasflasche ist der Mann allerdings nicht allein. Immer wieder kommt es zu solchen und wesentlich folgenreicheren Schäden durch ähnliche Fehler.

Vom versehentlichen Lösen, weil das Linksgewinde ungewohnt ist, bis zur Auswahl der falschen Flasche gibt es eine ganze Reihe von typischen Fehlern, die dramatische Folgen haben können. Mehr dazu lesen Sie in unserem Report-Beitrag.

In diesem Fall gab es außer der fehlerhaft erstellen Verbindung noch eine grundsätzliche Fehlentscheidung: Der Baumarkt, in dem der Mann den Gasofen gekauft hatte, vertrieb zum Zeitpunkt der Untersuchung noch immer ein baugleiches Modell. In dessen Beschreibung gab es den Hinweis, den Ofen nur in gut gelüfteten Innenräumen zu betreiben. Das Garagenbüro hätte nicht damit beheizt werden dürfen.

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