Feuer durch Hochwasser

Die elektrische Hauptverteilung hängt an Kabeln von der Decke.
Die elektrische Hauptverteilung hängt an Kabeln von der Decke.

Hochwasser war das große Schadenthema im vergangenen Sommer. Selbst die Brandursachenermittler haben sich damit beschäftigt, wie der folgende Fall zeigt:

Bei der Feuerwehr ging eine Alarmmeldung ein – Brand in einem Vereinsheim. Das eingeschossige und nicht unterkellerte Gebäude war zu diesem Zeitpunkt verschlossen und zudem schwer zugänglich, weil es unter Wasser stand. Das Hochwasser hatte an diesem Tag seinen Höchststand erreicht. Wegen dieser Erschwernisse konnten die Einsatzkräfte die vollständige Zerstörung des Satteldaches nicht mehr verhindern.

Ein Brandursachenermittler des IFS untersuchte später die Schadenstelle. Dabei konnte er die Brandausbruchsstelle an der elektrischen Hauptverteilung lokalisieren. Der Verteilerkasten hing im Flur an Kabeln von der Decke.

Die unterste, rechte Dreiphasenschiene wird zur näheren Untersuchung ausgebaut.
Die unterste, rechte Dreiphasenschiene wird zur näheren Untersuchung ausgebaut.

Der Gutachter asservierte die Reste der stark beschädigten Hauptverteilung für die weitere Untersuchung im Elektrolabor. Schon am Verteilerkasten fiel auf, dass die unteren zehn Zentimeter im Gegensatz zu allen anderen Bereichen nicht brandgezehrt waren. Hier hatte das Hochwasser gestanden.

In der Verteilung gab es zahlreiche Kurzschlussspuren an den Leitungsadern. Die räumlich am tiefsten gelegenen Spuren waren zugleich besonders stark ausgeprägt. Sie befanden sich an einer Dreiphasenschiene, die unten rechts, direkt über der Hochwasserlinie im Kasten verbaut war.

An der Schiene gibt es massive Abschmelzungen und Kurzschlussperlen.
An der Schiene gibt es massive Abschmelzungen und Kurzschlussperlen.

Bei der näheren Untersuchung der Komponente stieß der Gutachter auf massive Abschmelzungen an der Schiene. An dieser Stelle war es zum brandauslösenden Kurzschluss gekommen. In der Folge gab es weitere Kurzschlüsse in der Hauptverteilung, die Spuren in Form von Schmelzperlen hinterlassen hatten.

Die Hauptverteilung des Gebäudes hatte zum Schadenzeitpunkt ohne Zweifel unter Spannung gestanden. Nur so hatte es überhaupt zum Brandausbruch kommen können. Hätte der Energieversorger die Stromzufuhr zum Gebäude unterbrochen, hätte jemand die NH-Sicherungen im Hauseingangskasten gezogen oder die Schmelzsicherungen in der Hauptverteilung entfernt, wäre es beim Wasserschaden geblieben. Ausreichend Zeit für entsprechende Sicherungsmaßnahmen war vorhanden. Bereits zwei Tage vor Schadeneintritt stand das Gebäude unter Wasser.

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