Brände durch Installationsfehler

Bei der Erstellung von Elektroinstallationen kann eine kleine Unachtsamkeit später zum Feuerwehreinsatz führen. Eine Spurensuche im Elektrolabor.

Die Reste der Elektroverteilung.
Die Reste der Elektroverteilung.

Einige Tage nach der Inbetriebnahme der Elektroverteilung eines Einfamilienhauses brannte es in dem Gebäude, das sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Bauphase befand. Die Feuerwehr konnte den Flammenbrand auf die Elektroverteilung eingrenzen. Deren Überreste wurden später im Elektrolabor des IFS untersucht. Dabei entdeckte der Gutachter den brandursächlichen Fehler:

An einem Leitungsschutzschalter war eine Aderleitung nicht in die entsprechende Klemme eingeführt worden. Sie lag lediglich lose an, so dass ein Wackelkontakt entstanden war. Infolgedessen war es an der Verbindung zum Lichtbogenüberschlag gekommen, durch den Material im Umfeld – zum Beispiel Kunststoffkomponenten – entzündet wurden. Eine kleine Nachlässigkeit wie diese oder ein falscher Handgriff kann bei der Erstellung von Elektroinstallationen gefährliche Folgen haben. Nicht umsonst gehören diese Arbeiten immer in die Hände von Fachkräften.

Die Schutzeinrichtungen können entstehende Brände nicht detektieren

Die im Laborversuch nachgestellte Fehlerstelle: Am mittleren Kontakt wurde das Aderende nicht in die Klemme eingeführt.
Die im Laborversuch nachgestellte Fehlerstelle: Am mittleren Kontakt wurde das Aderende nicht in die Klemme eingeführt.

Wird eine elektrische Verbindung nicht nach den Regeln der Technik ausgeführt, so kann entweder wie im oben geschilderten Fall ein Wackelkontakt entstehen oder es bildet sich ein erhöhter Übergangswiderstand, und an der Verbindung wird die Verlustleistung in Wärme umgesetzt. Diese Erhitzung kann sich über einen längeren Zeitraum zu einer Brandentstehung entwickeln. Besonders tückisch ist, dass ein erhöhter Übergangswiderstand von den gängigen Schutzeinrichtungen wie Leitungsschutzschalter und Fehlerstromschutzschalter nicht erkannt wird. Sie reagieren lediglich auf einen erhöhten Stromfluss bzw. auf Fehlerströme.

Etwa ein Drittel aller vom IFS untersuchten Brände haben eine elektrotechnische Ursache, und davon ist wiederum jedes vierte Feuer auf Fehler bei der Installation zurückzuführen. Dabei gibt es eine Reihe typischer Mängel: Häufig werden zum Beispiel Klemmschrauben nicht oder nicht fest genug angezogen oder der Monteur zieht sie so fest, dass dabei der Leiter oder der Klemmkörper beschädigt wird. Auch der eingangs geschilderte Fehler wird bei Laboruntersuchungen oft gefunden.

Sorgfalt ist nicht nur bei der Umsetzung unerlässlich, sondern auch bei der Auswahl der Komponenten und Werkzeuge: Die Verbindungselemente, zum Beispiel Klemmen und Pressen, müssen zum Querschnitt, zur Form und zum Material des Leiters passen. Bei Quetsch- und Pressverbindungen kann ein ungeeignetes Werkzeug zur Beschädigung der Komponenten führen. Auch das hat einen erhöhten Übergangswiderstand an der Verbindung zur Folge. Nach einem Feuer sehen Elektroinstallationen für den Laien meist nach undurchsichtigem Chaos aus. Doch dem Brandursachenermittler verrät das Spurenbild häufig trotz ausgeprägter Schäden, was bei der Installation schief gelaufen ist. (is)

Diesen Beitrag weiterempfehlen