Zu früh gefeiert

Von der Scheune ist nicht sehr viel übrig geblieben.
Von der Scheune ist nicht sehr viel übrig geblieben.

Bei diesem Brandschaden wurde ein Gebäudekomplex auf einem landwirtschaftlichen Hof zu einem großen Teil zerstört. Ein paar Stunden zuvor hatte man an gleicher Stelle noch ausgelassen gefeiert.

Der Gebäudekomplex umfasste einen Wohnbereich, der relativ glimpflich davonkam, und auf der anderen Seite eine Scheune, deren spärliche Reste auf dem nebenstehenden Bild zu sehen sind. Unter der Scheune war eine Schreinerei eingerichtet, die vom Sohn des Hauses genutzt wurde.

Die Kombination aus Kachelofen (unten) und Pizzaofen (oben)
Die Kombination aus Kachelofen (unten) und Pizzaofen (oben)

Darin befand sich ein Kachelofen mit einem darüber angeordneten Pizzaofen. Diese Kombination samt Abgasführung hatte der junge Mann in Eigenregie installiert. Die heißen Rauchgase wurden über einen Edelstahlkamin ins Freie geführt.

Interessant ist für diesen Fall vor allem das letzte Stück der Abgasführung: Wie man auf dem Bild oben sieht, liegt die Scheune erhöht über der Schreinerei. Es führte eine Rampe herauf, und unter dieser Rampe gingen zwei Verbindungsstücke von dem Edelstahlkamin ab, durch die die Abgase vom Kachelofen und Pizzaofen getrennt hinausströmen konnten. An einem dieser Verbindungsstücke war das Feuer entstanden – ein Holzbalken war überhitzt.

Der Edelstahlschornstein hat zwei Verbindungsstücke (grüne Pfeile), die unter der Einfahrtsrampe ins Freie führten. Sie sind an den Übergängen mit einer Dichtmasse abgedichtet (blaue Pfeile), allerdings ungleichmäßig und lückenhaft (roter Pfeil).
Der Edelstahlschornstein hat zwei Verbindungsstücke (grüne Pfeile), die unter der Einfahrtsrampe ins Freie führten. Sie sind an den Übergängen mit einer Dichtmasse abgedichtet (blaue Pfeile), allerdings ungleichmäßig und lückenhaft (roter Pfeil).

Der Übergang vom Kamin zum Verbindungsstück war mit einer Dichtmasse abgedichtet. Allerdings war diese Masse sehr ungleichmäßig aufgetragen worden. Zudem war das Verbindungsstück mit einem nicht brennbaren Dämmstoff umwickelt, aber auch das war nicht fachgerecht ausgeführt worden. In der gesamten Ausführung gab es folglich Schwachstellen, an denen Holzbauteile des Gebäudes nicht ausreichend vor der Strahlungswärme der Abgasführung geschützt waren.

Der Bezirksschornsteinfeger hätte diese Mängel möglicherweise bemerkt, doch dazu hatte er nicht die Gelegenheit. Eine Abnahme der neu installierten Feuerstätte war zwar geplant, aber wegen fehlender Unterlagen noch nicht durchgeführt worden.

Das hatte den Amateurkaminbauer jedoch nicht davon abgehalten, seine Konstruktion bereits zu nutzen. Am Abend vor der Brandentstehung hatte er zu einer Feier in der Schreinerei eingeladen, und seine Gäste mit frisch gebackener Pizza verwöhnt. Ein paar Stunden später musste die Feuerwehr anrücken.

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