Etwas zu gründlich getrocknet

Direkt vor dem Kachelofen ist ein Wäschetrockner aufgestellt. An der Lüftungsklappe des Ofens kleben Textilreste (kleines Foto).
Direkt vor dem Kachelofen ist ein Wäschetrockner aufgestellt. An der Lüftungsklappe des Ofens kleben Textilreste (kleines Foto).

Eine halbe Stunde nach dem Zubettgehen rochen zwei Eheleute Feuer und sahen Rauch, der aus Richtung des Wohnzimmers kam. Dort brannte es am Kachelofen und an einem Wäscheständer, der direkt davor aufgestellt war.

Auch eine Holzdekoration, die auf dem Ofen lag, stand in Flammen. Der Mann warf die brennende Holzscheibe in den Garten und löschte das Feuer im Wohnzimmer. Polizei und Feuerwehr wurden wegen des kleinen Brandes nicht gerufen. Doch das IFS sollte feststellen, wie es zu dem abendlichen Schreck hatte kommen können.

Das Holzbrett mit Dekorationen hatte auf dem Ofen gelegen und ist aus Richtung der Lüftungsklappe von unten angebrannt.
Das Holzbrett mit Dekorationen hatte auf dem Ofen gelegen und ist aus Richtung der Lüftungsklappe von unten angebrannt.

Kurz vor dem Zubettgehen hatte der Mann den Kachelofen noch einmal mit fünf bis sechs Braunkohlebriketts nachgeschürt. Direkt hinter der Lüftungsklappe verläuft in der Kachelummauerung die Abgasführung des Ofeneinsatzes. Durch die Strahlungswärme wurden entweder die Textilien entzündet, die direkt vor der Lüftungsklappe trockneten, oder das Holzbrett auf dem Ofen wurde überhitzt.

Organische Materialien wie Holz oder Textilien haben gewöhnlich eine Zündtemperatur von 200 bis 300 °C. Allerdings sinkt dieser Wert ab, wenn das Material über längere Zeit hohen Temperaturen ausgesetzt ist.

Blick in den Ofen: Direkt hinter der Klappe verläuft das Abgasrohr.
Blick in den Ofen: Direkt hinter der Klappe verläuft das Abgasrohr.

Diesen Prozess nennt man thermische Aufbereitung. Die Zündtemperatur von Holz kann dadurch im Laufe der Zeit auf 120 °C absinken, einige Literaturquellen geben sogar einen Wert von unter 100 °C an. In jedem Fall steigt die Brandgefahr mit der Zeit an.

Ursache dieses Feuers war, dass die Eheleute die große Strahlungshitze unterschätzt haben, die von dem Kachelofen ausgeht. Brennbare Gegenstände hätten nicht darauf liegen dürfen, und auch der Wäscheständer stand viel zu nah an der Feuerstelle. Die Mindestabstände zu brennbaren Bauteilen sind in den Feuerungsverordnungen der Bundesländer geregelt. Diese sollten auch bei brennbarem Inventar berücksichtigt werden.

In der Regel wird in den Verordnungen gefordert, dass an brennbaren Materialien keine höheren Temperaturen als 85°C auftreten können. Dies ist beispielsweise dann gegeben, wenn ein Abstand von Rauchgasrohren zu brennbaren Materialien von 40 cm eingehalten wird.

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