Wenn es schon vor dem Rauchen qualmt

Blick auf den ausgebrannten Dachboden. In der Bildmitte ist eine Spezialleuchte für die Pflanzenaufzucht zu sehen.
Blick auf den ausgebrannten Dachboden. In der Bildmitte ist eine Spezialleuchte für die Pflanzenaufzucht zu sehen.

Das IFS untersucht immer wieder Brände, die im Zusammenhang mit Cannabisanbau stehen

„Hanf“ ist ein Stichwort, bei dem man im IFS an Leitungswasserschäden denkt, denn die Fasern der Pflanze werden zum Abdichten von Trinkwasserinstallationen benutzt, und der allzu großzügige Umgang damit kann Brüche verursachen. Mittlerweile haben allerdings auch die Brandursachenermittler des Institutes immer wieder mit der Hanf- oder auch Cannabispflanze zu tun. Die gedeiht hierzulande – der zurückliegende Sommer mag eine Ausnahme gewesen sein – nicht im heimischen Garten, sondern in der Regel in Gebäuden. Dafür benötigt das sonnenhungrige Gewächs die Unterstützung von Spezialleuchten, und die wiederum benötigen eine Menge Strom.

Die hohen Energiekosten mögen nicht alle Freunde pflanzlicher Halluzinogene selbst tragen. Zudem hat ein in die Höhe schnellender Verbrauch die Ermittlungsbehörden schon zu mancher illegalen Marihuanaplantage geführt. Als Marihuana bezeichnet man übrigens die getrockneten Blüten der weiblichen Cannabispflanze.

Zurück zum Energieproblem: Die gewählte Lösung ist oft ein Abzweig vor dem Stromzähler. Nun ist nicht jede Idee so brillant, wie sie zunächst schien. Das haben die Eigentümer des oben abgebildeten Gebäudes spätestens gelernt, als die Polizei und ein IFS-Gutachter sich auf ihrem ausgebrannten Dachboden umsahen.

An der Hauptstromverteilung im Erdgeschoss des Hauses hatten die Ermittler bereits eine Leitung entdeckt, die vor dem Stromzähler abzweigte und direkt hoch zum Dachboden führte. Daneben hing an der Wand ein Sicherungskasten mit unprofessionell zusammengebasteltem Innenleben.

Die Brandursache ist zumeist ein elektrotechnischer Defekt

Auf dem Dachboden lagen im Brandschutt Spezialleuchten, zerstörte Pflanzentöpfe und jede Menge Stromleitungen mit Schmelzspuren. Einige davon waren im Verlauf des Brandes entstanden, andere durch Kurzschlüsse. Einer dieser Kurzschlüsse hatte am frühen Morgen das Feuer verursacht, bei dem das Dachgeschoss des ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäudes samt Marihuanaplantage vernichtet wurde.

Brände im Zusammenhang mit Hanf­anbau sind meist auf elektrotechnische Defekte zurückzuführen, wie im ersten geschilderten Fall. Von einem anderen Feuer war ein Canna­bisraucher betroffen, der das Gärtnern ein paar Nummern kleiner betrieb: In seiner Etagenwohnung hatte er eine Art Gewächshauszelt mit einer Halogenleuchte darin aufgestellt. Es kam zum Wärmestau und schließlich zum Brandausbruch. Möglicherweise wurden die Pflanzen selbst durch die Wärmestrahlung entzündet. Der Fußboden des Raumes brannte durch, so dass auch die darunter liegende Wohnung geschädigt wurde. Auch in diesem Fall war der Strom übrigens illegal „abgezweigt“ worden.

Zur Diskussion um die gesundheitlichen Auswirkungen des Drogenkonsums haben wir nichts beizutragen. Im Sinne der Schadenverhütung weist das IFS jedoch darauf hin, dass von nicht fachgerecht ausgeführten Elektroinstallationen ein erhebliches Brandrisiko ausgeht.

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