Selbstgebauter Lithium-Akkupack und dazu das falsche Ladegerät

Der Wohnraum im unteren Teil der Maisonettewohnung; links schließt sich die Küchennische an.
Der Wohnraum im unteren Teil der Maisonettewohnung; links schließt sich die Küchennische an.

Im Internet bestellte sich ein Mann 42 Lithium-Ionen-Akkuzellen, verlötete sie miteinander und umwickelte das Ganze mit Klebeband. Für diesen Akkupack, den er für sein Elektrofahrrad gebastelt hatte, hatte er online auch ein Ladegerät gekauft, und zwar eines für Bleiakkus.

Am Schadentag stand das Fahrrad – mit den Rädern nach oben – halb in der Küchennische, halb im Wohnraum der gemieteten Maisonettewohnung. Der Mann schloss das Ladegerät an, um den Fahrradakku zu laden, und verließ dann das Haus. Etwa eine Stunde später bemerkten Anwohner einen Feuerschein.

Zwischen der Küche und dem Wohnraum steht das Elektrofahrrad.
Zwischen der Küche und dem Wohnraum steht das Elektrofahrrad.

Anhand der Brandspuren rekonstruierten IFS-Gutachter später das Schadengeschehen: Das Feuer war im Bereich des Fahrrades entstanden, hatte von dort auf das Sofa im Wohnraum übergegriffen und sich schließlich bis auf die obere Ebene der Maisonettewohnung ausgebreitet.

Im Brandschutt um das Fahrrad herum fanden die Gutachter diverse Akkuzellen – einige davon noch recht gut erhalten, andere aufgeplatzt. Dieses Schadenbild ist mittlerweile ein gewohnter Anblick für die Brandursachenermittler des Institutes.

Von den gefundenen Akkuzellen sind einige noch weitgehend erhalten (1), andere sind aufgeplatzt (2).
Von den gefundenen Akkuzellen sind einige noch weitgehend erhalten (1), andere sind aufgeplatzt (2).

Von Lithium-Akkus geht eine Brandgefahr aus. Das betrifft nicht ausschließlich, aber insbesondere die Ladephase. Ist eine Akkuzelle defekt oder wird sie überladen, so birst sie explosionsartig, wie in unserem Video zu sehen ist. Brennende Teile können dabei einige Meter weit geschleudert werden. So gelangte das Feuer in diesem Fall vom Fahrrad auf das Sofa.

Lithium-Akkus sollten darum nicht unbeaufsichtigt geladen werden. Freilich hat der Bastler hier schwerwiegendere Fehler gemacht: Bei der Recherche stellten die IFS-Gutachter fest, dass das verwendete Ladegerät für Bleiakkus, also für einen ganz anderen Akkutyp, vorgesehen war. Ob der Akkupack fachgerecht gebaut wurde, konnte man nach dem Feuer weder feststellen noch widerlegen. Hinweise auf eine Schutzbeschaltung waren in den Resten allerdings nicht zu finden.

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