Mit einem Knall wechselt der Kessel den Standort

Die Waschmaschine stand im selben Raum wie der Kessel und wurde von herabstürzenden Teilen der Decke zerstört.
Die Waschmaschine stand im selben Raum wie der Kessel und wurde von herabstürzenden Teilen der Decke zerstört.

In seiner Wohnung im Erdgeschoss sieht der Eigentümer, wie sich der Fußboden hebt. Sein Sohn, der im Obergeschoss lebt, sieht das Treppenhaus voll von Wasserdampf, nachdem die Tür zum Flur aufgesprengt wurde. Als ein Nachbar den Knall aus einem Zweifamilienhaus hört, ruft er sofort die Feuerwehr.

Die Explosionsschäden am Gebäude zeichneten ein deutliches Bild, das den IFS-Gutachter, der die Schadenstelle später untersuchte, in den Keller führte. Am Ende des Kellergangs lag ein Festbrennstoffkessel, der dort offensichtlich nicht hingehörte.

Der Heizkessel (roter Pfeil links) wurde von seinem Platz (roter Pfeil rechts) in einem offenen Kellerraum in den Kellergang geschleudert. Dabei wurde die gegenüberliegende Metalltür deformiert (blauer Pfeil).
Der Heizkessel (roter Pfeil links) wurde von seinem Platz (roter Pfeil rechts) in einem offenen Kellerraum in den Kellergang geschleudert. Dabei wurde die gegenüberliegende Metalltür deformiert (blauer Pfeil).

Der Kessel war von seinem Platz in einem offenen Kellerraum in den Kellergang geschleudert worden. In dem Raum stand inmitten von heruntergefallenen Deckenelementen noch eine zerstörte Waschmaschine.

Es hatte am Schadentag einen sogenannten Behälterzerknall gegeben: Der Kessel ist durch einen starken Überdruck plötzlich aufgerissen. Die Rohrleitungen, über die er an den Heizungskreislauf angeschlossen war, rissen ab, und der Kessel selbst flog aus dem Kellerraum gegen die Metalltür eines gegenüberliegenden Raumes und landete schließlich im Kellergang.

Blick auf den Kessel: Die Außenhülle aus Blech ist aufgerissen. Oben ist ein abgerissenes Anschlussrohr zu erkennen (Pfeil).
Blick auf den Kessel: Die Außenhülle aus Blech ist aufgerissen. Oben ist ein abgerissenes Anschlussrohr zu erkennen (Pfeil).

Zu einem solchen Überdruck kann es nur kommen, wenn die Ventile des Vor- und Rücklaufs geschlossen sind, während der Kessel in Betrieb ist. Die Installation eines Festbrennstoffkessel ist nur mit einer Sicherheitsgruppe zulässig. Bei aktuellen Heizkesseln muss nach DIN EN 12828 für alle Wärmeerzeuger mit nicht schnell abschaltbarer oder ungeregelter Feuerung eine thermische Ablaufsicherung als Notkühlung vorhanden sein. Sie darf nicht absperrbar sein und muss als freier Auslauf über einem Abfluss enden.

Eine solche Sicherheitseinrichtung war jedoch nicht vorhanden. Auch zum Zeitpunkt der Untersuchung waren die Spindelventile von Vor- und Rücklauf noch geschlossen. Bei geöffneten Ventilen hätte es nicht zur Explosion kommen können. Vor allem aber hätte die Anlage ohne die Sicherheitseinrichtungen gar nicht betrieben werden dürfen.

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