Modellbauakku falsch geladen

Der Schadenschwerpunkt im Kinderzimmer mit Überresten des Schreibtisches, der vor dem Fenster stand
Der Schadenschwerpunkt im Kinderzimmer mit Überresten des Schreibtisches, der vor dem Fenster stand

Morgens um neun bekommt ein Mann einen Telefonanruf: Es brennt in seiner Wohnung. Am Morgen hatte sein Sohn den Akku eines Modellbaufahrzeuges zum Laden angeschlossen. Dann hatte der Junge und kurze Zeit darauf der Vater das Haus verlassen.

Die Feuerwehr konnte den Brand auf einen Bereich des Kinderzimmers eingrenzen. Allerdings ließ sich nicht verhindern, dass die gesamte Wohnung und auch Teile des Treppenhauses stark durch Ruß und Rauchgaskondensate verunreinigt wurden.

Im Brandbereich wird ein gut erhaltenes Ladegerät gefunden, das an eine Mehrfachsteckdose angeschlossen ist.
Im Brandbereich wird ein gut erhaltenes Ladegerät gefunden, das an eine Mehrfachsteckdose angeschlossen ist.

Im Zimmer des Jungen war der Schreibtisch bis auf wenige Überreste verbrannt. Unter dem Möbel hatte das Universalladegerät gestanden, mit dem der Lithium-Polymer-Akku geladen wurde. Das Gerät war noch sehr gut erhalten; es war an eine Mehrfachsteckdose angeschlossen, und die Buchse für den Balancer war nicht belegt.

Der Balancer ist eine elektronische Schaltung, die regelt, dass die Zellen eines Akkupacks gleichmäßig geladen und gegebenenfalls entladen werden. Er verhindert also, dass eine einzelne Zelle überladen oder tiefentladen wird. Diese Sicherheitseinrichtung ist bei den meisten Produkten mit Lithium-Ionen-Akkus Teil des Batteriemanagementsystems und arbeitet, ohne dass der Benutzer ihr Beachtung schenken muss.

Beispielbild eines Akkus mit Ladestecker (rot) und Balancestecker (weiß)
Beispielbild eines Akkus mit Ladestecker (rot) und Balancestecker (weiß)

Im Modellbau ist das anders: Hier werden in der Regel Universalladegeräte verwendet, bei denen verschiedene Spannungen und Lademodi eingestellt werden können. Die Lithium-Polymer-Akkus, die in diesem Bereich üblich sind, werden nicht nur über den Ladestecker, sondern zusätzlich über den Balancestecker mit dem Ladegerät verbunden.

Dieser Anschluss und das Laden im „Balance Modus“ waren in der Bedienungsanleitung des Modellbauakkus aus diesem Fall vorgeschrieben. Der Junge hatte den Balancestecker allerdings nicht angeschlossen und wahrscheinlich den falschen Lademodus eingestellt. Andernfalls hätte das Ladegerät nicht laden dürfen.

Nach dem Anschluss des Akkus hatte es am Schadentag eine gute Stunde gedauert, bis eine Akkuzelle durchging und das Feuer verursachte. Brände durch Lithium-Ionen-Akkus – zu denen auch Lithium-Polymer-Akkus gehören – sind mittlerweile eine häufige Brandursache. Der Modellbau ist besonders häufig betroffen, weil es in diesem Bereich leicht zu Handhabungsfehlern kommen kann. Modellbauer sollten darum die Betriebsanleitungen ihrer Ausrüstung gründlich studieren und beachten.

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