Ein neuer Herd und die Macht der Gewohnheit

Ein Blick in die ausgebrannte Küche
Ein Blick in die ausgebrannte Küche

In der Küche eines Einfamilienhauses wurde ein neuer Herd installiert. Den alten hatte das Ehepaar etwa 30 Jahre lang benutzt. Da werden die Handgriffe zur Routine. Genau das sollte aber ein paar Wochen später zum Verhängnis werden.

Am Schadentag wollten die betagten Eheleute das Mittagessen zubereiten. Die Frau stellte einen Topf mit Kartoffeln auf das Kochfeld vorn links und drehte den linken Schalter des Herdes. Dann ging sie in den Garten, um frische Kräuter zu holen. Ihr Mann, der nebenan im Esszimmer Salat schnitt, bemerkte schließlich Rauch, der aus der Küche quoll.

Auf dem hinteren, linken Kochfeld haftet verbranntes Material. Die Schalterstellung (kleines Bild) zeigt, dass es eingeschaltet war.
Auf dem hinteren, linken Kochfeld haftet verbranntes Material. Die Schalterstellung (kleines Bild) zeigt, dass es eingeschaltet war.

Er versuchte noch, die Flammen selbst zu löschen, doch dafür war es bereits zu spät. Als die Feuerwehr eintraf, stand das Haus bereits im Vollbrand.

Ein IFS-Gutachter untersuchte später die Brandstelle und fand ein typisches Schadenbild vor, in dessen Mittelpunkt der neue Herd stand: Im Bereich des hinteren, linken Kochfeldes hafteten geschmolzene Reste von Behältern und Schneidbrettern aus Kunststoff. Darin waren Textilreste von Küchentüchern und Topflappen eingebacken. Die Untersuchung des Herdes belegte, dass das hintere, linke Kochfeld zum Brandzeitpunkt auf 75 % Leistung eingeschaltet war.

Blick von oben auf das Kochfeld; die Glaskeramikabdeckung wurde entfernt und die Heizeinsätze der einzelnen Kochzonen wurden umgedreht: Auf der hinteren, linken Platte – hier unten rechts zu sehen – gibt es keine Rußablagerungen.
Blick von oben auf das Kochfeld; die Glaskeramikabdeckung wurde entfernt und die Heizeinsätze der einzelnen Kochzonen wurden umgedreht: Auf der hinteren, linken Platte – hier unten rechts zu sehen – gibt es keine Rußablagerungen.

Die Frau wollte am Schadentag das vordere, linke Kochfeld einschalten. Bei ihrem alten Herd hätte sie dafür den Drehschalter ganz links benutzen müssen – so sind die Schalter bei den meisten Herden angeordnet. Doch bei dem neuen Gerät regelte der Schalter links außen das hintere, linke Kochfeld.

Die Macht der Gewohnheit hatte hier zu einem fatalen Fehlgriff geführt. Durch die Hitze des eingeschalteten Kochfeldes wurden brennbare Materialien entzündet, die sich darauf oder in unmittelbarer Nähe befunden haben.

Während sich die routinierten Handgriffe beim Kochen sicher unwillkürlich irgendwann einstellen, sollte man eine andere Gewohnheit bewusst etablieren: Nichts außer dem Kochgeschirr hat etwas auf dem Kochfeld verloren – das gilt nicht nur während der Essenzubereitung. Die meisten Küchenbrände werden durch versehentliches Einschalten des Herdes verursacht.

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