Der dritte Ladevorgang war der letzte

Ein schöner Sommertag im Garten eines Einfamilienhauses. Plötzlich durchbrechen Knallgeräusche die Idylle. Die Eheleute laufen zum Gebäude: Aus der geöffneten Haustür quillt ihnen dichter Brandrauch entgegen.

Das Betreten des Hauses ist nicht mehr möglich. Zum Glück hat der Ehemann sein Handy parat und kann sofort die Feuerwehr alarmieren.

Trotz der früher Brandentdeckung können die Einsatzkräfte das weitgehende Ausbrennen des Wohnzimmers nicht mehr verhindern. Im ganzen Haus schlagen sich Rauchgase nieder. Der Tag endet mit einer sechsstelligen Schadensumme, und den Eheleuten steht eine lange Sanierung ihres Zuhauses bevor.

Blick vom Wohnzimmer aus in den Anbau: Vor der rechten Seitenwand stand das Sofa, auf dem der Akkupack des Laubbläsers lag.
Blick vom Wohnzimmer aus in den Anbau: Vor der rechten Seitenwand stand das Sofa, auf dem der Akkupack des Laubbläsers lag.

Was war im Haus geschehen, während sich die beiden im Garten aufhielten?

Etwa 30 Minuten vor der Brandentdeckung hatte der Mann den Akkupack eines Laubbläsers in einem Anbau des Wohnzimmers auf einem Sofa abgelegt und zum Laden angeschlossen.

Es habe sich dabei um den insgesamt dritten Ladevorgang des fast neuen und originalen Akkupacks gehandelt, sagte er dem IFS-Gutachter, der hier die Brandursache ermittelte. Er habe das Originalladegerät verwendet. Den akkubetrieben Laubbläser habe er einige Monate zuvor über eine bekannte Handelsplattform im Internet erworben.

Das Sofa ist bis auf das rechte Seitenteil weitgehend verbrannt. An der Wand zeichnen sich in diesem Bereich bis zum Fußboden hinabreichend Spuren einer intensiven thermischen Einwirkung ab.
Das Sofa ist bis auf das rechte Seitenteil weitgehend verbrannt. An der Wand zeichnen sich in diesem Bereich bis zum Fußboden hinabreichend Spuren einer intensiven thermischen Einwirkung ab.

Anhand des Brandspurenbildes konnte der Gutachter den Brandentstehungsort auf den Standort des Sofas eingrenzen. Von dem Akku waren nur Fragmente einer Lithium-Ionenzelle übrig geblieben. Andere potenzielle Zündquellen konnten ausgeschlossen werden; der Akku des Laubbläsers war im Ladevorgang thermisch durchgegangen.

Bei einem derartigen Ereignis wird die in einer Lithium-Ionenzelle gespeicherte elektrische Energie schlagartig in Wärme umgesetzt und kann in der Nähe befindliches brennbares Material entzünden. Die Knallgeräusche, die die Eheleute beschrieben hatten, passen zur typischen Schadenschilderung in solchen Fällen.

Der Laubbläser selbst lag während des Brandes in der Garage. Vom Akku, der im Haus zum Laden angeschlossen war, waren nur noch die Überreste dieser Lithium-Ionenzelle der Bauform 18650 auffindbar.
Der Laubbläser selbst lag während des Brandes in der Garage. Vom Akku, der im Haus zum Laden angeschlossen war, waren nur noch die Überreste dieser Lithium-Ionenzelle der Bauform 18650 auffindbar.

Zum thermischen Durchgehen eines Lithium-Ionen-Akkus kommt es durch einen Kurzschluss im Inneren des Akkus. Dieser kann unterschiedliche Ursachen haben. So kann der Akku beispielsweise durch einen Sturz beschädigt sein oder er war bereits seit der Produktion fehlerhaft. Die verschiedenen Einflussfaktoren und Hinweise zur Schadenverhütung haben wir hier zusammengestellt.

Die Brandursachenstatistik des IFS zeigt deutlich, dass die Anzahl der durch Akkus verursachten Brandschäden kontinuierlich ansteigt. Wegen dieser potenziellen Brandgefahr sollten Akkus, wenn irgend möglich, nur unter Aufsicht oder zumindest in einem Raum mit Rauchmelder geladen werden. Sie sollten beim Ladevorgang außerdem nicht auf oder in der Nähe von brennbaren Materialien abgelegt werden. (JH)