Ein echt „heißer“ E-Scooter
Mitten in der Nacht wird eine Familie unsanft aus dem Schlaf gerissen: Der erwachsene Sohn ist als Übernachtungsgast mit seiner schwangeren Ehefrau bei den Eltern zu Besuch. Plötzlich bemerkt er Feuer im Schlafzimmer und schlägt Alarm.
Der Wohnungsmieter schickt seinen Sohn mit der Schwiegertochter nach draußen und ruft seiner Frau zu, Wasser zu holen. Das Feuer, das hinter der Schlafzimmertür brennt, ist noch relativ klein, doch für eigene Löschversuche ist es bereits zu spät: Es kommt zu mehreren kleinen Explosionen, und der Brand weitet sich schlagartig aus.
Die alarmierte Feuerwehr trifft zwar relativ schnell ein und kann das Feuer auch schnell löschen, trotzdem ist die Wohnung bis auf Weiteres unbewohnbar.

Möglicherweise sei der Brand durch einen eingeschalteten Ventilator verursacht worden, vermutet der Mieter, als ein Gutachter des IFS später die Schadenstelle untersucht. Diese Annahme bestätigt sich aber nicht: Die Anschlussleitung des Gerätes verlief zwar zum Teil durch den Brandbereich, doch sie wurde im Brandverlauf in Mitleidenschaft gezogen. Der Ventilator war hier selbst Opfer und nicht Brandstifter. Den findet der Gutachter mitten im Brandschwerpunkt.

Dort liegt ein E-Scooter, der im Umfeld des Akkufachs unter der Stehfläche intensiv ausgeprägte Brandspuren aufweist. An dem Elektroroller sind keine Angaben zum Hersteller oder eine Modellbezeichnung vorhanden. Die Abdeckung des Akkufachs ist teilweise abgeplatzt. Innerhalb des Akkufachs befinden sich 20 Lithiumionenzellen der Bauform 18650 (Zylinderzelle mit Blechbecher, 18 mm Durchmesser, 65 mm Länge) mit intensiven Brandschäden.
Die Blechbecher mehrerer Zellen sind markant aufgeplatzt bzw. die Deckel abgeplatzt. Diese Spurenlage ist typisch bei thermisch durchgegangen Lithium-Ionen-Akkuzellen. Auch die Angaben der Wohnungsmieter zu den „kleinen Explosionen“ bei der Brandentdeckung passen zu einem sogenannten „thermal runaway“. Dabei wird die in einer Zelle gespeicherte elektrische Energie schlagartig in Wärme ungesetzt und kann zu einer Entzündung in der Nähe befindlicher brennbaren Materialien führen.

Der Scooter wurde übrigens zur Brandzeit nicht geladen. Die meisten Akkubrände entstehen in der Ladephase – nach Erfahrung des IFS etwa drei von vier. Doch bei der hohen Anzahl der Akkubrände sind noch viele Brände übrig, die außerhalb des Ladevorganges beginnen. Wie heftig ein durchgehender Akkus reagiert, hängt vom Ladezustand ab. Unsere Brandversuche dazu gibt es auf unserem YouTube-Kanal. (JH)