Der Brandstifter war ein Lithiumakku

Am ersten Brandschwerpunkt sind nur die Reste einer Kunststoffpalette und der Golf-Trolleys zu erkennen.
Am ersten Brandschwerpunkt sind nur die Reste einer Kunststoffpalette und der Golf-Trolleys zu erkennen.

Als der Geschäftsführer eines Handelsunternehmens für Golf-Trolleys eines Morgens das Firmengebäude aufschloss, musste er erschrocken feststellen, dass es hier nachts gebrannt hatte. Das Feuer war glücklicherweise von selbst erloschen, jedoch fiel auf, dass es zwei Brandherde gab. War ein Brandstifter aktiv geworden?

Bei der Untersuchung fand der IFS-Gutachter die beiden Schadenschwerpunkte vor. Der eine lag neben einer Tür zum Innenhof. Dort waren gemäß den Angaben des Geschäftsführers auf einer Kunststoffpalette drei Kartons mit verpackten Golf-Trolleys abgestellt. Die Kartons waren vollständig verbrannt, von den Trolleys und der Palette waren nur noch Reste vorhanden.

Ein zweiter Schadenschwerpunkt befindet sich auf der Werkbank: Hier liegt ein weitgehend zerstörter Lithium-Ionen-Akku (1) mit dem zugehörigen Ladegerät (2), das zum Schadenzeitpunkt eingesteckt war.
Ein zweiter Schadenschwerpunkt befindet sich auf der Werkbank: Hier liegt ein weitgehend zerstörter Lithium-Ionen-Akku (1) mit dem zugehörigen Ladegerät (2), das zum Schadenzeitpunkt eingesteckt war.

Der zweite Brandschwerpunkt lag circa drei Meter entfernt auf einer Werkbank. Ein hier installierter Kabelkanal war stark geschmolzen. Jedoch zeigte die nähere Untersuchung, dass die darin verlaufenden Kabel kaum beschädigt waren. Sie hatten das Feuer nicht verursacht.

Vor dem Kabelkanal lag allerdings der wahre „Brandstifter“: Ein ausgebrannter Lithium-Ionen-Akku. Die Mitarbeiter gaben an, dass dieser regelmäßig über Nacht zum Aufladen an das Ladegerät angeschlossen wurde. Der Akku wurde zum Testen der Golf-Trolleys verwendet.

Mehrere Zellen des Akkus sind geplatzt (rote Pfeile) und die Hülsen sind leer. Die Öffnungen weisen in die Richtung des ersten Brandherdes, wo die Kartons mit den Trolleys auf der Palette standen.
Mehrere Zellen des Akkus sind geplatzt (rote Pfeile) und die Hülsen sind leer. Die Öffnungen weisen in die Richtung des ersten Brandherdes, wo die Kartons mit den Trolleys auf der Palette standen.

Mehrere Zellen des Akkus waren aufgeplatzt. Und die Ausrichtung der Akkuzellen zeigte auch, wie es zu dem zweiten Brandschwerpunkt kommen konnte: Die offenen Metallhülsen wiesen in die Richtung der Kartons neben der Tür. Das ergab ein klares Bild zum Schadenhergang: Der Lithium-Akku war durch einen technischen Defekt beim Laden „thermisch durchgegangen“. Die aufplatzenden Akkuzellen schleuderten brennendes Material auf die in drei Metern Abstand stehenden Kartons und setzten diese in Brand.

Das IFS hat in seinem Brandversuchshaus Videos zu den Gefahren von Lithium-Ionen-Akkus gedreht. Darin wird deutlich, auf welch beeindruckende Weise beim Zerplatzen der Akkus Funken und brennende Bestandteile herausgeschleudert werden. Auch Tipps zum richtigen Umgang mit diesem weitverbreiteten Akkutyp finden Sie dort.(Ma)

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