Bei der Wartung die Opferanode nicht vergessen

Der Speicher ist im Bereich der unteren Schweißnaht undicht (Markierung).
Der Speicher ist im Bereich der unteren Schweißnaht undicht (Markierung).

In emaillierten Stahlbehältern von Warmwasserspeichern befinden sich sogenannte Opferanoden. Werden diese nicht regelmäßig gewartet, kann es zu Leitungswasserschäden kommen. Im hier beschriebenen Fall hat ein Fachbetrieb das wissentlich ignoriert und damit gleich zwei Schäden verursacht.

Die Speicher werden bei der Herstellung auf der Innenseite mit einer Emaillebeschichtung versehen. Dabei sind kleine Fehlstellen in der Beschichtung nicht immer zu vermeiden. Damit diese im späteren Betrieb nicht zu einer Lochkorrosion führen, wird eine Opferanode im Speicher angebracht, die sich korrosiv auflöst und dadurch den Speicher schützt. Gleichzeitig haben diese Anoden eine begrenzte Lebensdauer und müssen regelmäßig kontrolliert und ausgetauscht werden.

Nach dem Entfernen der Ablagerungen auf der Innenseite ist der Materialabtrag (Markierung) bis zum Wanddurchbruch in Form eines Loches (Pfeil) erkennbar.
Nach dem Entfernen der Ablagerungen auf der Innenseite ist der Materialabtrag (Markierung) bis zum Wanddurchbruch in Form eines Loches (Pfeil) erkennbar.

In der Dachzentrale eines Mehrfamilienhauses war ein direkt beheizter Warmwasserspeicher undicht geworden. Die Untersuchung im IFS zeigte, dass der Speicher im unteren Bereich neben einer Schweißnaht von innen nach außen durchkorrodiert war. Die für den Innenkorrosionsschutz erforderliche Opferanode war nur noch in Resten vorhanden, sodass ein Schutz des Speichers nicht mehr gegeben war.

Laut Herstellervorgaben war die Anode jährlich zu kontrollieren. Eine Überprüfung der Wartungsunterlagen zeigte, dass die Anlage in dem Haus einer Eigentümergemeinschaft seit 20 Jahren von derselben Fachfirma gewartet wurde. Der Speicher war vor elf Jahren erneuert und die Anode vor fünf Jahren zuletzt gewechselt worden. Gemäß dem Wartungsvertrag gehörte die Überprüfung der Opferanode zum jährlichen Wartungsumfang. Die letzte Wartung erfolgte elf Monate vor dem Schaden.

Von der Opferanode, die hier als sogenannte Kettenanode ausgeführt war, sind nur noch Reste vorhanden.
Von der Opferanode, die hier als sogenannte Kettenanode ausgeführt war, sind nur noch Reste vorhanden.

Die Firma behauptete, dass die Anode zu diesem Zeitpunkt noch in Ordnung gewesen sei. Das konnte durch die Untersuchung im IFS allerdings ausgeschlossen werden. Der Zustand der Anode und ihrer Verschraubung zeigte vielmehr, dass sie seit mehreren Jahren nicht mehr kontrolliert worden sein konnte.

Gleichwohl bestritt der Handwerker, dass sein Versäumnis zu dem Schaden geführt hatte. Besonders pikant: Im Nachbarhaus stand eine vergleichbare Anlage, die ebenfalls von ihm gewartet wurde. Hier gab es durch das gleiche Versäumnis vier Jahre zuvor einen Wasserschaden, der ebenfalls vom IFS untersucht wurde. Hätte der Fachmann daraus gelernt, wäre genug Zeit gewesen, die Opferanoden der anderen Anlagen in seinem Verantwortungsbereich zu überprüfen und gegebenenfalls zu erneuern. (Ma)

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