Brandgefahr durch medizinische Sauerstofftherapie

Der Schadenschwerpunkt liegt im Schlafzimmer, im Bereich des Bettes.
Der Schadenschwerpunkt liegt im Schlafzimmer, im Bereich des Bettes.

Nachts um 01:15 Uhr hörte der Mieter einer Wohnung in einem 5-geschossigen Mehrfamilienhaus das Signal eines Rauchmelders aus der darunter liegenden Wohnung. Schnell sah er nach und stellte fest, dass es dort tatsächlich brannte. Er weckte alle Nachbarn im Haus und half dem Bewohner der brandbetroffenen Wohnung, einem pflegebedürftigen Senior.

Dank dieser Geistesgegenwart – und des Rauchmelders – gab es keine Opfer; jedoch konnten auch die fast 40 angerückten Einsatzkräfte der Feuerwehr nicht verhindern, dass die Wohnung weitgehend ausbrannte und auch andere Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Der pflegebedürftige Senior hatte eine Lungenkrankheit und wurde deshalb über eine Atemmaske mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt. Zum Rauchen allerdings nahm er diese Maske ab.

Die Untersuchung durch das IFS ergab, dass der Brand im Bereich des Bettes ausgebrochen war. Hier gab es keine technischen Geräte, so dass als einzige Brandursache das Rauchen durch den Bewohner verblieb. Dieser räumte auch ein, dass er im Bett geraucht habe. Die Sauerstoffmaske habe er dabei auf den Boden gelegt. Als die Zigarettenkippe zu Boden gefallen sei, soll es schlagartig zum Brand gekommen sein.

Der Sauerstoffbehälter stand im Wohnzimmer und war über einen langen Schlauch mit der Atemmaske verbunden. Rechts: An dem Gerät befindet sich ein Aufkleber mit deutlichen Sicherheitswarnungen vor Zündgefahren.
Der Sauerstoffbehälter stand im Wohnzimmer und war über einen langen Schlauch mit der Atemmaske verbunden. Rechts: An dem Gerät befindet sich ein Aufkleber mit deutlichen Sicherheitswarnungen vor Zündgefahren.

Der Umgang mit Sauerstoff birgt ein Risiko, das vielen Anwendern nicht bekannt ist: Eine erhöhte Brandgefahr! Wird das konzentrierte Gas freigesetzt, können Textilien, wie z.B. Kleidung oder Bettwäsche mit Sauerstoff angereichert werden. Aber auch die Raumluft enthält mehr Sauerstoff als üblich, wenn dieser nicht ausreichend durch die Atmung des Patienten verbraucht wird. Da der Sauerstoff schwerer ist als Luft, kann er sich bodennah ansammeln. Er wirkt brandfördernd, so dass Materialien, die sich bei üblicher Atmosphäre nicht entzünden, schlagartig in Brand gesetzt werden können.

Folglich sind beim Umgang mit Sauerstoff alle Zündquellen tabu. Insbesondere sind das Rauchen und offene Flammen verboten. Die Hersteller warnen auf den Geräten bzw. in den Bedienungsanweisungen ausdrücklich davor. Das IFS hat bereits mehrere – zum Teil tragische – Brandfälle untersucht, die durch die Missachtung dieser Sicherheitsanweisungen verursacht wurden. (Ma)

Diesen Beitrag weiterempfehlen