Befüllte Heizungsleitungen in der Bauphase

An der Pressverbindung sind Korrosionsprodukte zu sehen.
An der Pressverbindung sind Korrosionsprodukte zu sehen.

Der erste Herbst in einem neu gebauten Einfamilienhaus: Als die Tage kälter werden und die Heizsaison beginnt, zeigt sich eine Leckage an einer Heizungsleitung, die im Fußboden des Erdgeschosses liegt.

Während der erste Leitungsabschnitt zur Ermittlung der Schadenursache im IFS untersucht wird, findet man im Haus bereits eine weitere Undichtigkeit an den Leitungen der Heizungsinstallation.

Dichtigkeitsprüfung im Wasserbad: Es zeigen sich Undichtigkeiten.
Dichtigkeitsprüfung im Wasserbad: Es zeigen sich Undichtigkeiten.

Die Beitragsbilder zeigen das Asservat bei der Laboruntersuchung: Die Leckage liegt an einer Pressverbindung zwischen einem Bogenfitting und einem Rohrabschnitt, beides aus niedrig legiertem C-Stahl. Das Rohrende wurde durch einen starken Innendruck teilweise aus dem Fitting herausgeschoben – Frost hat auf die Leitungen eingewirkt.

Die Entstehung dieses Frostschadens liegt allerdings bereits einen Winter zurück, in der Bauphase des Gebäudes: Die Heizungsanlage selbst war noch nicht installiert, als eine Fachfirma eine Druckprüfung mit Wasser an den bereits verlegten Heizungsleitungen vornahm.

An der Innenwand des aufgetrennten Fittings und der Außenseite des Rohres zeichnet sich ein durchgängiger Wasserpfad ab.
An der Innenwand des aufgetrennten Fittings und der Außenseite des Rohres zeichnet sich ein durchgängiger Wasserpfad ab.

Kurz nach der Druckprüfung gab es Frostwetter und im Rohbau des Einfamilienhauses froren die befüllten Leitungen ein. Anschließend fand man einen frostbedingten Schaden an einer Heizungsleitung im Obergeschoss und einen weiteren an der Trinkwasserleitung, die offenbar auch schon befüllt war.

Die Leckagen wurden repariert. Eine weitere Druckprüfung wurde danach nicht durchgeführt.

Offenbar waren die Fachleute davon ausgegangen, dass es sich bei den beiden Undichtigkeiten aus dem zurückliegenden Winter um die einzigen Folgen der Frosteinwirkung auf die Leitungen im Rohbau handelte. Die neuen Leckagen zeigten jedoch, dass durchaus weitere Schäden verursacht wurden.

Wenn die Beheizung eines Gebäudes nicht gewährleistet werden kann, dürfen wasserführende Leitungen im Winter nicht befüllt sein. In der Bauphase waren sie den Frosttemperaturen ohne Schutz ausgesetzt.

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