Mit vier Radiatoren gegen den Winter

Getrennte Lötverbindung der Warmwasserleitung. Das Rohr wurde vollständig aus dem Fitting herausgedrückt.
Getrennte Lötverbindung der Warmwasserleitung. Das Rohr wurde vollständig aus dem Fitting herausgedrückt.

Drei Jahre nach dem Ausbau eines Dachgeschosses kam es zum Wasseraustritt aus den Kalt- und Warmwasserleitungen hinter einer Badewanne. Das Wasser lief durch die darunter liegenden Stockwerke des Mehrfamilienhauses bis ins Erdgeschoss.

Die beiden betroffenen Leitungsabschnitte wurden zur Untersuchung ins IFS geschickt.
Es handelte sich um Kupferrohre, bei denen jeweils eine Lötverbindung vollständig auseinandergezogen war. Auf dem ersten Bild ist eine der getrennten Verbindungen an einem Fitting zu sehen.

Mikroskopische Aufnahme des Rohrendes. Im Bereich der ehemaligen Lötverbindung sind Längsriefen erkennbar.
Mikroskopische Aufnahme des Rohrendes. Im Bereich der ehemaligen Lötverbindung sind Längsriefen erkennbar.

Die Laboruntersuchung ergab, dass die Verbindungen ordnungsgemäß erstellt worden waren. Allerdings waren die Fittings aufgewölbt und unter dem Mikroskop zeigten sich an den herausgedrückten Rohrenden Längsriefen, wie im zweiten Bild dargestellt. Die Trennung war eindeutig durch einen stark erhöhten Innendruck verursacht worden. Derart hohe Drücke sind in Trinkwasserinstallationen nur durch eine Frosteinwirkung zu erreichen.

Eine Temperaturrecherche für den Schadenort ergab, dass es in den beiden Monaten vor dem Schaden mehrere Frostperioden gab, in denen die Temperatur auf bis zu -20 °C absank. Auch gab es in dieser Zeit mehrere Eistage, d.h. die Tageshöchsttemperaturen blieben unter dem Gefrierpunkt.

Die Temperaturrecherche zeigt mehrere Frostperioden vor der Schadenfeststellung. Die Grafik basiert auf Messdaten des DWD.
Die Temperaturrecherche zeigt mehrere Frostperioden vor der Schadenfeststellung. Die Grafik basiert auf Messdaten des DWD.

Wie sich herausstellte, wurde das Haus aufgrund von Sanierungsarbeiten seit Monaten nicht mehr bewohnt. Beheizt wurde es lediglich mit vier elektrischen Radiatoren – allerdings nur tagsüber. Die Radiatoren reichten für eine angemessene Beheizung der vier Wohnungen des insgesamt 240 Quadratmeter großen Gebäudes nicht aus – schon gar nicht, da sie nachts ausgeschaltet waren. (Ma)

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