Millionenschaden durch einen falschen Handgriff

Rechts: Die Waschtischarmatur mit Grundeinheit (oben) und Funktionseinheit. Links: An der Schadenstelle ist die Grundeinheit noch montiert; die Funktionseinheit liegt im Handwaschbecken.
Rechts: Die Waschtischarmatur mit Grundeinheit (oben) und Funktionseinheit. Links: An der Schadenstelle ist die Grundeinheit noch montiert; die Funktionseinheit liegt im Handwaschbecken.

In der Endphase einer umfangreichen Sanierung kam es zum Schaden: Kurz bevor das betroffene Bürogebäude wieder bezogen werden sollte, registrierte der Wasserversorger einen ungewöhnlichen Verbrauch. Am Waschtisch in einer Toilette hatte sich die Funktionseinheit einer Armatur von ihrem Grundkörper gelöst.

Auf den nebenstehenden Fotos sind die Schadensituation zu sehen und die Armatur, die der Gutachter asservierte, um sie im Labor näher untersuchen zu können. Die Grundeinheit ist auf einer Montageplatte aus Holz befestigt.

Der Bajonettverschluss an der Funktionseinheit: Bei der Montage muss der weiße Kunststoffring durch eine Drehung in die geöffenete Position vorgespannt werden (großes Bild). Dann wird Funtionseinheit auf die Grundeinheit gedrückt, bis sich die Feder entspannt und der Verschluss einrastet (kleines Bild).
Der Bajonettverschluss an der Funktionseinheit: Bei der Montage muss der weiße Kunststoffring durch eine Drehung in die geöffenete Position vorgespannt werden (großes Bild). Dann wird Funtionseinheit auf die Grundeinheit gedrückt, bis sich die Feder entspannt und der Verschluss einrastet (kleines Bild).

Die Funktionseinheit wird mit einem Bajonettverschluss auf der Grundeinheit fixiert. Die Bilder links zeigen den Verschluss und einen wesentlichen Teil seiner Funktionsweise: Bei der Montage wird der weiße Kunststoffring durch eine Drehung in die geöffnete Position vorgespannt. Dann wird die Funktionseinheit auf die Grundeinheit gedrückt, bis sich die Feder entspannt und der Verschluss einrastet. Dabei springt der Kunststoffring in die geschlossene Position.

Der Hersteller erklärt diesen Vorgang in der Montageanleitung und verdeutlicht ihn außerdem mit dem Piktogramm, das oben auf der Funktionseinheit klebt. Der Installateur soll visuell kontrollieren, ob der Verschluss eingerastet ist und die beiden Einheiten damit fest verbunden sind.

Von der Rückseite kann man kontrollieren, ob die Installation korrekt ausgeführt ist. Das Piktogramm ist in der Einbausituation nicht mehr zu sehen. Wäre der Verschluss eingerastet, wäre aber auch der grüne Pfeil hinter dem Messingbauteil verschwunden.
Von der Rückseite kann man kontrollieren, ob die Installation korrekt ausgeführt ist. Das Piktogramm ist in der Einbausituation nicht mehr zu sehen. Wäre der Verschluss eingerastet, wäre aber auch der grüne Pfeil hinter dem Messingbauteil verschwunden.

Das ist allerdings nicht so einfach, denn das Piktogramm wird in der Einbausituation von dem blauen Kunststoffzylinder verdeckt, der die Grundeinheit einfasst. Immerhin kann man von der Rückseite noch einen kleinen grünen Pfeil auf dem Kunststoffring sehen – oder besser nicht sehen.

Der Pfeil ist erkennbar, wenn der Ring vorgespannt ist, und verschwindet, wenn der Verschluss einrastet. Auf dem Bild rechts ist der Verschluss also nicht eingerastet.

Am Bajonettverschluss der Armatur fand der Gutachter Spuren, die ein fehlgeschlagener Montageversuch hinterlassen hatte: Eines der Zähnchen des weißen Kunststoffrings war abgebrochen und hatte sich im Verschluss verkantet. An den anderen gab es Abschürfungen, die bei fachgerechter Montage nicht entstehen.

Möglicherweise hatte der Monteur beim ersten Montageversuch vergessen, den Kunststoffring vorzuspannen, oder der Ring wurde beim Einführen in die Grundeinheit zu früh entriegelt. In jedem Fall wurde er dabei beschädigt, und der Monteur hätte beim zweiten Versuch sehr genau darauf achten müssen, ihn nicht zu verkanten. Vor allem aber hätte er die Verbindung wie oben beschrieben prüfen müssen. Zwar hielt sie zunächst, doch wegen der unvollständigen Verriegelung löste sich die Funktionseinheit schließlich. Ein Montagefehler.

Allerdings war der unglückselige Handwerker nicht der einzige, der mit dem Montagevorgang gehadert hatte. Das IFS hat fünf weitere Fälle untersucht, in denen mit diesem System die Verbindung von Grund- und Funktionseinheit missglückt war. Der Hersteller hat bereits reagiert und die Konstruktion geändert.

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