Herdbrand durch technischen Defekt

Die ausgebrannte Küche mit dem Herd, an dem das Feuer entstanden ist.
Die ausgebrannte Küche mit dem Herd, an dem das Feuer entstanden ist.

Jeder fünfte vom IFS untersuchte Gebäudebrand entsteht auf dem Küchenherd. Die Ursache ist in nahezu all diesen Fällen, dass der Herd aus Versehen eingeschaltet oder eingeschaltet allein gelassen wurde, während sich etwas Brennbares auf dem Kochfeld befand. In nahezu allen Fällen – aber nicht in allen.

Dabei klingen die Umstände dieses Brandes nach dem oben beschriebenen Klassiker: Auf den beiden linken Kochfeldern hatte die Bewohnerin des betroffenen Einfamilienhauses eine Kunststoffschüssel und ein Kunststoffbrett abgestellt, während sie das rechte, hintere Kochfeld eingeschaltet hatte, um Kartoffeln zu kochen.

Auf dem Kochfeld steht noch ein Topf mit unverbrannten Kartoffeln.
Auf dem Kochfeld steht noch ein Topf mit unverbrannten Kartoffeln.

Die Kochzeit nutzte sie, um verschiedene Gegenstände in den Keller zu tragen. Mehrere Male ließ sie darum den eingeschalteten Herd eine Weile allein. Auf dem letzten Rückweg in die Küche hörte die Frau schon von der Kellertreppe aus ungewöhnliche Geräusche. Dann sah sie Flammen an der Dunstabzugshaube und den Küchenoberschränken. Sie verließ das Haus und rief die Feuerwehr.

In der ausgebrannten Küche untersuchte ein IFS-Gutachter später den Herd. Die Bedienblende war verbrannt. Doch selbst, wenn von den Drehreglern nichts mehr übrig ist, verraten andere Spuren, welche Kochfelder zum Brandzeitpunkt in Betrieb waren.

An der Verdrahtung der Bedieneinheit weisen mehrere Adern Knickstellen und stromflussbedingte Schmelzspuren auf.
An der Verdrahtung der Bedieneinheit weisen mehrere Adern Knickstellen und stromflussbedingte Schmelzspuren auf.

In diesem Fall war es ausschließlich das rechte, hintere Kochfeld gewesen, auf dem noch der Topf mit den unverbrannten Kartoffeln stand. Zwar klebten auf den anderen Kochfeldern Kunststoffreste der Küchenutensilien, aber deren Entzündung war eine Folge des Brandes, nicht die Ursache.

Die Ursache fand der Gutachter in der Verdrahtung zwischen der Bedieneinheit des Herdes und dem Kochfeld: Mehrere Adern wiesen an korrespondierenden Positionen Knickstellen und stromflussbedingte Schmelzspuren auf.

Beim Einbau des Herdes waren die Leitungen geknickt worden. An den Knickstellen kam es zu einer Erhöhung des Widerstandes und damit zur lokalen Erwärmung, die schließlich dazu führte, dass brennbares Material in diesem Bereich entzündet wurde.

Den Herd als Abstellfläche für brennbare Gegenstände zu nutzen und eingeschaltet nicht zu beaufsichtigen, war fahrlässig. Zum Feuer hatte aber der Fehler bei der Herdmontage geführt. Auch bei scheinbar eindeutigen Schadenbildern muss man genau hinsehen, um die Ursache zu finden.

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