Auf der falschen Fährte
Eine böse Überraschung zum Feierabend: Als eine Frau von der Arbeit nach Hause kam und ihre Wohnungstür öffnete, quoll ihr Brandrauch entgegen.
Die Feuerwehr konnte die Flammen auf die Küche eingrenzen, doch auch die benachbarten Räume wurden durch Rauchgaskondensate stark verunreinigt, und durch die enorme Brandhitze war der Putz teilweise von den Decken gefallen.
Etwa in der Mitte der Küchenzeile zeichnete sich an der Wand ein Brandtrichter ab. In diesem Bereich, direkt neben dem Herd, hatte eine Kaffeemaschine auf der Arbeitsplatte gestanden. Die Polizei untersuchte die Überreste des Gerätes und fand Kurzschlussspuren an der Netzleitung. Ein technischer Defekt; Fall gelöst.

Als ein Brandursachenermittler des IFS später die Schadenstelle besuchte, war der Brandausbruchsbereich bereits von Brandschutt geräumt. Das wichtigste Beweisstück war allerdings noch da: der Küchenherd.
Die Achsen der verbrannten Drehschalter wiesen darauf hin, dass die vordere, linke Herdplatte zum Brandzeitpunkt eingeschaltet war. Da die Achsen auch bei oder nach den Löscharbeiten verstellt werden können, muss dieses Indiz in der Regel durch eine Laboruntersuchung geprüft werden. In diesem Fall bestätigte sich, dass die Platte auf hoher Stufe eingeschaltet war.

Auch die Unterseite des Kochfeldes zeigte ein entsprechendes Spurenbild. Die Platte muss über Stunden geheizt haben. An der Küchenarbeitsplatte gab es im angrenzenden Bereich Brandspuren, die eine Überhitzung durch das Kochfeld belegten.
Konventionelle Kochfelder können, wenn eine Platte eingeschaltet ist, auch über den Bereich hinaus sehr heiß werden. In diesem Fall hatte die Mieterin die linke, vordere Kochplatte morgens aus Versehen eingeschaltet, ohne es zu bemerken.
Die eingeschaltete Platte und ihr Umfeld wurden im Laufe der folgenden Stunden so heiß, dass Materialien in der Umgebung in Brand gerieten. Die Kurschlussspuren an der Netzleitung der Kaffeemaschine waren eine Folge des Brandes. Sie entstanden, als die unter Spannung stehende Leitung in Brand geriet.

In einer nicht repräsentativen Umfrage, die das IFS vor einigen Jahren durchführen ließ, hielten es die meisten Menschen für abwegig, den Küchenherd aus Versehen einzuschalten. Die Erfahrungen unserer Brandursachenermittler und zahlreicher Feuerwehren zeichnen hingegen ein vollkommen anderes Bild. Bei zwei von drei der durch das IFS untersuchten Herdbrände wurde der Elektroherd versehentlich eingeschaltet. Darum lohnt es sich, vor dem Verlassen des Hauses einen prüfenden Blick auf das Bedienfeld zu werfen. (is)