Fußpflegestuhl beginnt zu brennen

Der Fußpflegestuhl stand eindeutig im Mittelpunkt des Brandgeschehens.
Der Fußpflegestuhl stand eindeutig im Mittelpunkt des Brandgeschehens.

Im Erdgeschoss ihres Wohnhauses hatte eine Fußpflegerin eine Praxis eingerichtet. Eines Nachts wurden sie und ihr Ehemann von einem lauten Knall geweckt. Weil das Haus bereits stark verraucht war, retteten die beiden sich über den Balkon im Obergeschoss zunächst ins Freie und dann zu den Nachbarn, von wo aus sie die Feuerwehr alarmierten.

Es gelang den Einsatzkräften, das Feuer auf den Behandlungsraum einzugrenzen. Dort hatte der Fußpflegestuhl im Mittelpunkt des Brandgeschehens gestanden, wie der beauftragte IFS-Gutachter später anhand des Spurenbildes klar erkennen konnte.

Hier ist die Stelle unter der Sitzfläche markiert, an der die Platine verbaut ist.
Hier ist die Stelle unter der Sitzfläche markiert, an der die Platine verbaut ist.

Die Flammen hatten dem Stuhl arg zugesetzt. Von der Kopfstütze war zum Beispiel kaum etwas übrig geblieben. Dennoch konnte der Gutachter einen Brandschwerpunkt unterhalb der Sitzfläche ausmachen. Dort befand sich die Steuerungsplatine für die fünf Motoren, die den Behandlungsstuhl in die gewünschte Position bewegten. Die Motoren selbst waren nur von außen brandgeschädigt.

Im Elektrolabor des IFS untersuchte der Gutachter die Platine und deren Anschlussleitungen. Dabei fiel ein lokaler Brandschwerpunkt ins Auge. An einer Ecke der Platine war deren Gewebematerial zum Teil weggebrannt. In diesem Bereich befand sich ein stark beschädigter Transformator, und darüber lagen die Anschlussverbindungen für die Motoren. An zwei Adern der Anschlussleitung gab es stromflussbedingte Schmelzspuren – es hatte einen Kurzschluss gegeben.

In der Nahaufnahme aus dem Labor sieht man, dass eine Ecke der Platine fast vollständig weggebrannt ist.
In der Nahaufnahme aus dem Labor sieht man, dass eine Ecke der Platine fast vollständig weggebrannt ist.

Ein elektrotechnischer Defekt hatte also das Feuer verursacht. Der Behandlungsstuhl war zu diesem Zeitpunkt zweieinhalb Jahre alt. Die Fußpflegerin hatte ihn bei einem Händler gekauft, der verschiedene Produkte über bekannte Internetportale vertreibt.

Auf der Rechnung war der Hersteller des Stuhls nicht angegeben. Auf dessen Unterseite fand der Gutachter bei der Untersuchung einen Aufkleber mit dem Hinweis auf eine Spannungsversorgung von 110 oder 220 Volt. In Deutschland wurde die Netzspannung ca. 1990 von 220 auf 230 Volt umgestellt.

Ein Kurzschluss kann an jedem elektrotechnischen Gerät auftreten. Doch mit steigender Produktqualität sinkt die Wahrscheinlichkeit des Schadeneintritts. Der Bezug auf eine vor 25 Jahren umgestellte Netzspannung deutet auf eine geringe Herstellerexpertise, bzw. -qualität hin.

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