Neutralleiterunterbrechung: Eine ungewöhnliche Brandursache

Brandspuren an der Wand oberhalb der Sat-Dose und am Sofa, das direkt davor gestanden hat
Brandspuren an der Wand oberhalb der Sat-Dose und am Sofa, das direkt davor gestanden hat

Im Wohnzimmer ihres Elternhauses sieht eine Tochter fern. Als der Satellitenempfang nicht mehr funktioniert, schaut sie noch eine Weile über Internet weiter. Dann fällt der Fernseher komplett aus und hinter dem Sofa steigt Rauch auf.

Sie ruft ihren Vater, der den kleinen Brandherd am Sofa mit Wasser löscht. Das Möbel hatte an der Wand gestanden, direkt vor der Satelliten-Anschlussdose. Von dem Bereich der Sat-Dose war das Feuer ausgegangen und hatte auf das Sofa übergegriffen. Das Bild unten zeigt die Sat-Dose und ein Stück der Sat-Leitung, die zum Fernseher geführt hatte. An der Leitung sind markante Schmelzspuren zu sehen.

Am Schadentag wurde der alte Heizkessel des Einfamilienhauses demontiert. Zudem wurden auf dem Dach in unmittelbarer Nähe zur Satellitenschüssel Module einer Photovoltaikanlage und einer Solarthermieanlage aufgebaut. Ein Gutachter des IFS wurde beauftragt, die Ursache des Schadens und einen eventuellen Zusammenhang mit den am Schadentag ausgeführten Arbeiten zu klären.

Der Sat-Dosen-Einsatz und ein Teilabschnitt der Verbindungsleitung zum
Fernseher; das kleine Bild zeigt die Schmelzspuren an der Sat-Leitung in der Nahaufnahme.
Der Sat-Dosen-Einsatz und ein Teilabschnitt der Verbindungsleitung zum
Fernseher; das kleine Bild zeigt die Schmelzspuren an der Sat-Leitung in der Nahaufnahme.

An der Elektroverteilung des Hauses fand der Gutachter einen schwerwiegenden Fehler, der vermutlich etwa zwanzig Jahre zuvor bei der ursprünglichen Installation gemacht wurde: Zwischen dem einspeisenden kombinierten Schutz- und Neutralleiter (PEN) und den Klemmblöcken des Neutralleiters (N) sowie des Schutzleiters (PE) fehlte eine Verbindung. Das bedeutet, dass sowohl der Neutralleiter als auch der Schutzleiter in der Elektroinstallation des Hauses nicht geerdet waren.

In all den Jahren hatte dieser als Neutralleiterunterbrechung bezeichnetete Fehler jedoch keine Auswirkungen gezeigt, weil die notwendige Verbindung über zwei Umwege dennoch vorhanden war: zum einen über den Heizkessel und die Heizungsrohre, zum anderen über die Sat-Leitung und den Fernseher. Den genauen Leitungsverlauf nachzuzeichnen, würde hier zu weit führen.

Nach dem Ausbau des Heizkessels fiel der erste Weg weg. Auf dem verbleibenden Weg über das Schirmgeflecht der Sat-Leitung flossen nun hohe Ströme. An der Sat-Leitung im Bereich der Anschlussdose im Wohnzimmer kam es zum Brandausbruch, weil sich hier offenbar die schwächste Stelle der Leitung befand.

Diese elektrotechnische Brandursache tritt nur sehr selten auf und wird – sicher auch deswegen – nach einem Brandausbruch nicht immer erkannt. Unter den vielen Tausend Schadenfällen mit elektrotechnischer Ursache, die das IFS in der Schadendatenbank führt, sind nicht einmal zehn Schäden enthalten, die auf eine Neutralleiterunterbrechung zurückgeführt werden konnten.

In einem Beitrag im „schadenprisma“ erklärt IFS-Gutachter Jürgen Hoyer die ungewöhnliche Brandursache ausführlich und stellt weitere Beispiele vor.

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