Materialeigenschaften unbekannt: Armatur bricht nach einigen Stunden

Die zerlegte Armatur: Der Pfeil markiert den gebrochenen Anschluss-Stutzen.
Die zerlegte Armatur: Der Pfeil markiert den gebrochenen Anschluss-Stutzen.

Im Baumarkt kaufte eine Mieterin eine neue Badewannenarmatur, die ihr Lebensgefährte kurz darauf im Badezimmer ihrer Etagenwohnung installierte. Noch am selben Tag – etwa acht Stunden waren vergangen – gab es einen Wasserschaden: Die Anschlussverschraubung am Warmwasserzulauf der Armatur war gebrochen.

Das Bild rechts zeigt die zerlegte Armatur, die im IFS zur Ermittlung der Schadenursache untersucht wurde. Wir haben den Anschluss-Stutzen markiert, der im Bereich seines Gewindes rumdum abgebrochen ist. Das abgebrochene Teilstück des Messing-Gewindes steckt noch im Armaturengehäuse, wie auf dem nächsten Bild zu sehen ist.

Das abgebrochene Teilstück des Gewindes befindet sich noch im Armaturengehäuse.
Das abgebrochene Teilstück des Gewindes befindet sich noch im Armaturengehäuse.

Ein Gutachter untersuchte das Material des Bauteils und die Bruchflächen: Bei der Elementanalyse fand er eine ungewöhnliche Zusammensetzung, die keiner bekannten Messinglegierung entspricht und damit für Bauteile der Trinkwasserinstallation nicht geeignet ist.

Ein ungewöhnliches Bild ergab auch die elektronenmikroskopische Untersuchung der Bruchflächen. Darauf waren langgestreckte Hohlräume zu sehen. Wie die weitere Untersuchung zeigte, waren diese Hohlräume mit Blei gefüllt gewesen. Bruchflächen werden vor der elektronenmikroskopischen Untersuchung in einem Ultraschallbad gereinigt. Dabei wurden die Bleieinschlüsse, die sich überall im Material befanden, herausgewaschen.

Bei der elektronenmikroskopischen Untersuchung zeigen sich charakteristische Strukturen von Spannungsrisskorrosion (links) und Bereiche mit Gewaltbruchstrukturen (rechts).
Bei der elektronenmikroskopischen Untersuchung zeigen sich charakteristische Strukturen von Spannungsrisskorrosion (links) und Bereiche mit Gewaltbruchstrukturen (rechts).

Weicht die Elementzusammensetzung von den Standard-Legierungen ab, dann ist es kaum möglich, die Materialeigenschaften des Werkstoffs zu benennen. Messing ist allgemein anfällig für Spannungsrisskorrosion, und diese war auch hier der Hauptgrund für den Bruch des Stutzens. Gewöhnlich entwickeln sich Risse durch diese Art der Korrosion über einen längeren Zeitraum, manchmal auch bereits innerhalb weniger Tage. Eine Schadenentwicklung innerhalb weniger Stunden, wie sie hier vorlag, kommt selten vor.

Neben den Bruchstrukturen, die Spannungsrisskorrosion belegen, fand der Gutachter auch Bereiche mit Gewaltbruchstrukturen. Durch die Krafteinwirkung bei der Montage und im – wenn auch kurzen – Betrieb wurde die Rissentstehung in dem eigenwilligen Material beschleunigt.

Schadenursache war eine vollkommen ungenügende Werkstoffqualität, und diese lag in der Verantwortung des Herstellers. Die Armatur aus dem Baumarkt trug kein Prüfkennzeichen, zum Beispiel des DVGW. Auch ein Prüfsiegel feit nicht vor Produktmängeln. Doch bei einem geprüften Produkt ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich geringer, auf einen so abenteuerlichen Werkstoff zu treffen.

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