Ein Schock aus heiterem Himmel

Ein Mann sucht gerade ein passendes Fernsehprogramm für seine Enkel, als ein gleißend helles Licht, begleitet von einem lauten Knall, für einen Augenblick den Raum füllt.

Der Strom ist ausgefallen. Noch während der Mann die Ursache sucht, steht ein Nachbar vor der Tür mit einer Warnung: Das Dach des Hauses brennt.

Drohnenaufnahme vom Dach des Hauses
Drohnenaufnahme vom Dach des Hauses

„Es gab kein Gewitter, nicht einmal Regen“, berichtet seine Frau später. Und doch hat ein Blitz das Dach des Einfamilienhauses in Brand gesetzt, wie die Untersuchung der Brandstelle durch das IFS später zweifelsfrei belegt.

Der Blitz ist in den Schornstein des Hauses eingeschlagen. Lange, vertikale Risse verlaufen auf allen vier Seiten durch die Steine. Am Laufrost eines ursprünglich direkt am Schornstein verbauten Dachtritts gibt es auffällige Anlauffarben und Schmelzspuren.

Risse laufen den Schornstein herunter (1); im Brandschutt liegt ein Laufrost mit auffälligen Anlauffarben (2).
Risse laufen den Schornstein herunter (1); im Brandschutt liegt ein Laufrost mit auffälligen Anlauffarben (2).

Zum Zeitpunkt des Einschlags gab es ein Gewitter. Allerdings lag die Gewitterzelle mehrere Kilometer entfernt, so dass die Familie nicht ahnen konnte, was gleich passieren würde. Einzelne Blitze können auch in einigem Abstand zur Gewitterzelle auftreten.

Vom Nachbarn gewarnt konnten die Eheleute mit ihren Enkeln, die an jedem Abend bei ihnen zu Besuch waren, gerade noch rechtzeitig das Haus verlassen. Die Flammen breiten sich rasend schnell über das Dach aus.

Eine Schmelzspur am Laufrost belegt den Einschlag.
Eine Schmelzspur am Laufrost belegt den Einschlag.

Für die betroffene Familie sind die Folgen des Blitzeinschlages noch lange nicht überstanden. Die Flammen und 1000 m3 Löschwasser haben vieles zerstört, was die Eheleute über Jahrzehnte aufgebaut haben. Das Haus ist für die Dauer der Sanierung nicht bewohnbar. Die Eheleute werden den Rest des Jahres in einem Ausweichquartier verbringen müssen.

In der aktuellen Brandursachenstatistik des IFS tauchen Brände durch Blitzeinschläge nicht einmal auf, weil ihr Anteil verschwindend gering ist. Das ist eine Verzerrung, weil in diesen Fällen selten eine Brandursachenermittlung durchgeführt wird. Wolke-Erde-Blitze werden sehr genau registriert, und die Schäden sind darum in der Regel gut nachvollziehbar.

Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berichtet, wurden im vergangenen Jahr 220.000 Blitz- und Überspannungsschäden gemeldet. (is)