Zu viel Kaffee

An der Kaffeeröstanlage sind auf den ersten Blick keine Brandspuren erkennbar. Nur das Typenschild (kleines Bild) deutet auf den Schaden hin.
An der Kaffeeröstanlage sind auf den ersten Blick keine Brandspuren erkennbar. Nur das Typenschild (kleines Bild) deutet auf den Schaden hin.

Wo sonst der Duft von frisch geröstetem Kaffee durch die Betriebsräume zieht, bekamen die Mitarbeiter am Schadentag statt dessen Brandgeruch in die Nase, angekündigt von einem dumpfen Knall. In der Kaffeeröstmaschine eines Betriebes für Gastronomiebedarf war es zu einer Verpuffung mit anschließendem Flammenbrand gekommen.

Ein Mitarbeiter hatte ein paar Stunden zuvor damit begonnen, Rohkaffee zu rösten. Pro Röstvorgang habe er etwa 25 Kilogramm Kaffeebohnen in den Fülltrichter gegeben. Nach dem manuellen Öffnen eines Schiebers gelangen die Bohnen in die Rösttrommel der Maschine. Für die Dosierung ist demnach der Mitarbeiter zuständig, der die Maschine bedient.

Bei der sechsten oder siebenten Kaffeecharge des Tages kam es zum Schaden: Durch das Verpuffungsgeräusch zur Maschine gerufen, habe er Flammen im Bereich der Abluftrohre gesehen, die durch ein Kunststoff-Fenster in der Außenwand ins Freie führten. Die Kaffeebohnen in der Rösttrommel haben geglüht, berichtete der Mann weiter.

Die Rohre für die Abluft des Kühlers (1) und aus der Rösttrommel (2)  werden durch ein Kunststoffelement der Fensterfront nach außen geführt. Um die Rohre herum ist der Kunststoff angeschmolzen.
Die Rohre für die Abluft des Kühlers (1) und aus der Rösttrommel (2) werden durch ein Kunststoffelement der Fensterfront nach außen geführt. Um die Rohre herum ist der Kunststoff angeschmolzen.

Er konnte das Feuer selbst löschen. Und auch der Brandspuren an der Röstmaschine nahm man sich betriebsintern an: Mit Auspuffspray – einem Speziallack für Auspuffanlagen – habe man die Abgasrohre und die Rösttrommel wieder geschwärzt, wie der verdutzte IFS-Gutachter erfuhr, der später die Brandstelle untersuchte. Allein das Typenschild der Maschine wies noch deutliche thermische Schäden auf.

Kaffee und dessen Bestandteile sind in der Lage, eine Staubexplosion zu verursachen – und das war in diesem Fall geschehen. Grund dafür war eine Überladung der Maschine. Laut Betriebsanleitung durften maximal 20 Kilogramm Kaffeebohnen pro Charge eingefüllt werden.

Eine größere Füllmenge führt in der Abluft der Röstkammer zu mehr Staub und Silberhäuten, die beim Rösten von den Bohnen abgelöst werden. Durch das Überfüllen wird außerdem begünstigt, dass sich Rohbohnen oder Silberhäute in Totzonen, also Bereichen, die schlecht durchmischt werden, entzünden. Die dadurch erzeugten glühenden Partikel sind in der Lage, die Staubfracht im Abgasrohr zu zünden. Auf diese Weise kam es am Schadentag zu der Verpuffung, die der Mitarbeiter gehört hatte. Zu viel Kaffee ist eben nicht gut.

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