Schäden an Bauteilen aus PPSU

Das Material bringt hervorragende Eigenschaften für den Einsatz in Trinkwasserinstallationen mit – aber auch eine Besonderheit.

Polyphenylsulfon oder kurz PPSU ist ein Kunststoff mit hervorragenden Eigenschaften für den Einsatz in Trinkwasserinstallationen, zum Beispiel für Fittings. Der Hochleistungsthermoplast ist langlebig, hygienisch sicher, korrosionsfrei, formstabil und temperaturbeständig. Er wird darum unter anderem auch in der Medizintechnik eingesetzt.

Eine hohe chemische Resistenz wird dem Material ebenfalls zugeschrieben. Doch das betrifft nicht alle Substanzen. Immer wieder kommt es im Zusammenhang mit PPSU zu Leitungswasserschäden, wie unsere Fallbeispiele zeigen:

Zwei Jahre nach der Einweihung eines neu gebauten Wohnheims wurden dort zeitgleich mehrere Leitungswasserschäden festgestellt. In zwei getrennten Gebäudeteilen kam es zu Leckagen an Doppelwandscheiben innerhalb der Warmwasserinstallation. Die Pressanschlüsse der Wandscheiben waren mit einer Schiebehülse aus Messing, einer Kunststoffhülse aus PPSU und einem innenliegenden Stützkörper aus PPSU ausgeführt.

Eine Wandscheibe aus dem ersten Fallbeispiel zeigt dunkle Verfärbungen an der Messingschiebehülse; das kleine Bild zeigt den Bruch an der PPSU-Stützhülse.
Eine Wandscheibe aus dem ersten Fallbeispiel zeigt dunkle Verfärbungen an der Messingschiebehülse; das kleine Bild zeigt den Bruch an der PPSU-Stützhülse.

Eine der Wandscheiben ist auf der ersten Abbildung zu sehen. Die dunklen Verfärbungen an der Messingschiebehülse deuten auf einen längeren Wasserkontakt hin. Bei der weiteren Untersuchung zeigte sich ein Riss des inneren Kunststoffstützkörpers. An dieser Stelle konnte das Wasser austreten. An den übrigen Wandscheiben waren vergleichbare Schäden entstanden.

Bei unserem zweiten Beispiel kam es bereits kurze Zeit nach dem Erstbezug eines Mehrfamilienhauses zum Wasserschaden. Die Leckage lag verdeckt an einer Unterputzarmatur. Auch hier gab es einen Riss in einer Stützhülse aus PPSU. Abbildung vier zeigt die Dichtigkeitsprüfung des Bauteils, das im IFS untersucht wurde.

Das betroffene Bauteil aus dem zweiten Beispiel und der Bruchbereich
Das betroffene Bauteil aus dem zweiten Beispiel und der Bruchbereich

In den beschriebenen Fällen konnten die IFS-Gutachter sowohl Produktmängel als auch überhöhten Kraftaufwand bei der Montage ausschließen. Die betroffenen PPSU-Bauteile waren durch chemische Substanzen geschädigt worden. Diese Substanzen sind in der Regel flüchtig und können später kaum nachgewiesen werden. Die entstehenden Risse zeigen allerdings charakteristische Bruchstrukturen, die insbesondere bei der elektronenmikroskopischen Untersuchung auffällig sind und von unseren Gutachtern eingeordnet werden können.

Die Chemikalien, die PPSU schädigen, stammen häufig aus Lecksuchsprays. Zumeist weisen die Hersteller in den Montageanleitungen ihrer Systeme darauf hin, ausschließlich Lecksuchsprays zu benutzen, die sie selbst für die Verwendung im Zusammenhang mit PPSU freigegeben haben. Auch Bauschäume können Chemikalien enthalten, die zu Schäden an dem Thermoplast führen können.

REM-Aufnahme einer Bruchstruktur von chemisch geschädigtem PPSU.
REM-Aufnahme einer Bruchstruktur von chemisch geschädigtem PPSU.

Wie so oft bei der Prävention von Leitungswasserschäden ist es auch hier wichtig, bei der Installation die Herstellervorgaben zu kennen. Wenn sie berücksichtigt werden, ist eine chemische Schädigung von PPSU-Bauteilen weitgehend ausgeschlossen. (is)