Niederdruckarmatur mit Konstruktionsfehler

Niederdruckarmaturen haben im Gegensatz zu gewöhnlichen Hochdruckarmaturen drei Anschlüsse.
Niederdruckarmaturen haben im Gegensatz zu gewöhnlichen Hochdruckarmaturen drei Anschlüsse.

Wenn ein druckloser Kleinspeicher platzt, liegt es meistens daran, dass er über eine gewöhnliche Hochdruckarmatur und nicht über eine Niederdruckarmatur angeschlossen wurde. In diesem Fall ist die Schadenursache allerdings eine andere und der Fehler sehr gut versteckt.

Ein druckloser oder offener Kleinspeicher wird häufig eingesetzt, wo keine zentrale Trinkwassererwärmung vorhanden ist. Bei korrekter Montage liegt am Speicher kein Leitungsdruck an.

Der Anschluss über eine ungeeignete Armatur führt so häufig zu Leitungswasserschäden, dass das IFS dazu ein Merkblatt anbietet.
Dabei ist dieser Installationsfehler sehr einfach zu vermeiden: Auf den Geräten sind in der Regel Hinweise angebracht, dass eine Niederdruckarmatur verwendet werden muss. Diese Armaturen sind daran zu erkennen, dass sie im Gegensatz zu gewöhnlichen Hochdruckarmaturen mit drei statt zwei Anschlüssen ausgestattet sind.

Im hier beschriebenen Fall hatten die Betroffenen über ein Online-Versandhaus eine Niederdruckarmatur gekauft, um einen drucklosen Kleinspeicher anzuschließen. Sie erhielten auch etwas, das aussah wie eine Niederdruckarmatur, und führten die Montage korrekt aus. Trotzdem kam es wenige Wochen später zum Wasseraustritt am Speicher.

Um die Verbindung zwischen den Anschlüssen A und B zu verdeutlichen, wurde im Labor ein Draht durch die fälschlich vorhandene Bohrung gezogen.
Um die Verbindung zwischen den Anschlüssen A und B zu verdeutlichen, wurde im Labor ein Draht durch die fälschlich vorhandene Bohrung gezogen.

Die ausgelaufene Menge war größer als dessen Fassungsvermögen. Dies ist ein erster Hinweis auf den Fehler. Denn aus einem korrekt angeschlossenen Kleinspeicher kann bei geschlossener Armatur höchstens die Menge des Fassungsvermögens auslaufen, wenn zum Beispiel der Innenbehälter beschädigt ist.

Das erklärt sich durch die Funktionsweise: Bei einer Hochdruckarmatur sind der Kalt- und der Warmwasseranschluss direkt an die Druckleitungen des Gebäudes angeschlossen. Beim Öffnen der Armatur wird das Wasser also direkt aus der Druckleitung entnommen.

Bei einer Niederdruckarmatur gilt das nur für den Kaltwasseranschluss. Wird das Warmwasserventil geöffnet, so fließt Wasser aus der Kaltwasser-Druckleitung (Anschluss A) in den Speicher (Anschluss B). Dort verdrängt es das bereits erwärmte Wasser im Speicher, das über den dritten Anschluss (C) zum Wasserhahn gedrückt wird. Da diese Verbindung konstruktionsbedingt immer offen und der Wasserzufluss in den Speicher bei abgesperrtem Kaltwasserventil unterbrochen ist, steht der Speicher nie unter Leitungsdruck.

Die Kartusche (links) in Einbaulage: Durch ihre Bauweise in Kombination mit der Bohrung im Armaturengehäuse tritt aus dem Anschluss B dauerhaft Wasser aus, sobald an Anschluss A  Leitungsdruck anliegt.
Die Kartusche (links) in Einbaulage: Durch ihre Bauweise in Kombination mit der Bohrung im Armaturengehäuse tritt aus dem Anschluss B dauerhaft Wasser aus, sobald an Anschluss A Leitungsdruck anliegt.

In der Armatur aus dem hier geschilderten Schadenfall befand sich eine Bohrung, durch die die Kaltwasserzufuhr von der Armatur zum Speicher dauerhaft „offen“ war und der Speicher somit dauerhaft unter Leitungsdruck stand. Dieser Fehler hätte sich durch permanent aus dem Auslass der Armatur laufendes Wasser sofort gezeigt. Aber der – eigentlich offene – Anschluss vom Speicher zum Auslass der Armatur war verschlossen, weil die Kartusche in ihrer Bauweise und Funktion der einer Druckarmatur entsprach.

Mit dieser Fehlerkombination sah die Armatur für den Benutzer aus wie eine Niederdruckarmatur, funktionierte aber nicht so. Die Belastungen durch den Leitungsdruck konnte der Speicher nicht lange aushalten. Früher oder später musste es zum Schaden kommen.

Bei der Armatur handelte es sich um ein No-Name-Produkt aus Fernost. Die DVGW-Kennzeichnung in der Produktbeschreibung ließ auf den ersten Blick geprüfte Qualität vermuten, bezog sich aber bei genauerem Hinsehen ausschließlich auf die Schläuche und nicht auf die Armatur selbst.

Auch bei hochwertigen Markenprodukten können Fehler auftreten. Nach Erfahrung des IFS sind gravierende Mängel, wie im vorliegenden Fall, bei renommierten Herstellern allerdings weniger wahrscheinlich.

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