Neuer Werkstoff, alte Probleme?

Der Schraubübergang aus Cuphin ist über die gesamte Gewindelänge gerissen.
Der Schraubübergang aus Cuphin ist über die gesamte Gewindelänge gerissen.

IFS untersucht Schäden an Bauteilen aus Cuphin

Für Bauteile und Leitungen der Trinkwasserinstallation war Messing bisher der Standardwerkstoff. Es lässt sich gut verarbeiten und ist kostengünstig, aber es ist auch anfällig für Spannungsrisskorrosion. Auf unserer Internetseite stellen wir zahlreiche Beispiele von Wasserschäden vor, bei denen diese Korro­sionsart zum Bruch geführt hat. Sie tritt auf, wenn zu hohe Zugspannungen im Material vorhanden sind. Das kann zum Beispiel durch sehr entschlossenes Zupacken bei der Montage oder Fehler in der Fertigung geschehen.

Abhilfe verspricht ein neues Material: Cuphin – eine Legierung aus 76 % Kupfer, 21 % Zink, 3 % Silizium und 0,05 % Phosphor – zeigt sich bei den aktuellen Standardtests nach DIN 50930 T1 und nach ISO 6957 beständig gegen Spannungsrisskorrosion. Auch selektive Korrosion oder Entzinkung, die ebenfalls häufig zu Schäden an Messingbauteilen führt, tritt nach Angaben der Hersteller „praktisch nicht“ auf. Auf die Zahl der Leitungswasserschäden hätte das mittel- und langfristig sicher erfreuliche Auswirkungen. Doch noch sollte der Korken auf der Champagnerflasche bleiben, denn das IFS hat bereits erste Brüche an Bauteilen aus Cuphin untersucht.

Die elek­­tronenmikroskopische Aufnahme der Bruchfläche zeigt Risse entlang der Korngrenzen.
Die elek­­tronenmikroskopische Aufnahme der Bruchfläche zeigt Risse entlang der Korngrenzen.

Ähnliches Schadenbild wie bei Spannungsrisskorrosion

Die elektronenmikroskopischen Aufnahmen der Bruchflächen zeigen Risse entlang der Korngrenzen. Die Strukturen entsprechen nicht exakt dem typischen Schadenbild von Spannungsrisskorrosion, sind aber ähnlich. „Cuphin ist bereits eine gebräuchliche Legierung“, sagt Dr. Thorsten Pfullmann, „aber die korrosiven Wechselwirkungen mit Trinkwasser sind noch nicht vollständig bekannt“. Auch selektive Korrosion haben der IFS-Fachverantwortliche für Leitungswasserschäden und sein Team bei den untersuchten Bauteilen festgestellt.

Eine Aussage über die Schadenursache zu treffen, ist in diesen Fällen schwierig. Denn während es für konventionelle Messinglegierungen klare Richtwerte gibt – beispielsweise für die Werkstoffhärte oder die Wandstärke –, sind diese Parameter bei Cuphinbauteilen noch nicht gesetzt. „Für eine Beurteilung brauchen wir schlicht mehr Erfahrung mit dem Werkstoff. Auch die Materialprüfungen müssen angepasst werden“, sagt Pfullmann.

Wenn auch erste Schäden aufgetreten sind, so macht Cuphin doch bisher einen vielversprechenden Eindruck. Immerhin kommt es ganz ohne Blei und auch ohne Nickel und Arsen aus. Dass diese für unsere Gesundheit problematischen Elemente im Zusammenhang mit unserem wichtigsten Lebensmittel nicht mehr auftauchen, ist unbestritten eine positive Nachricht.

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