Guter Rat ist teuer

Die übersandten Blindstopfen im Labor: Der linke ist im Gewinde vollständig gebrochen.
Die übersandten Blindstopfen im Labor: Der linke ist im Gewinde vollständig gebrochen.

Warum es sich lohnen kann, auf den Rat von Fachleuten zu vertrauen und dass diese nicht immer im Baumarkt zu finden sind, musste eine Versicherungsnehmerin leidvoll erfahren.

Sie hatte ein altes Einfamilienhaus gekauft und zwei Jahre lang umgebaut. Dabei wurde auch die Sanitär- und Heizungsinstallation durch einen Fachbetrieb erneuert. Um bei Bedarf das Gebäude in zwei Wohneinheiten teilen zu können, verlegte man in ein Zimmer im Dachgeschoss Trinkwasserleitungen für Warm- und Kaltwasser, für eine eventuelle spätere Küche.

Anhand einer Elementanalyse wird deutlich, dass der Werkstoff nicht für den Einsatz in Trinkwasser geeignet ist.
Anhand einer Elementanalyse wird deutlich, dass der Werkstoff nicht für den Einsatz in Trinkwasser geeignet ist.

Nach Abschluss der Umbauarbeiten mussten nur noch die Wandscheiben mit zwei Blindstopfen verschlossen werden. Das wollte die Versicherungsnehmerin selbst erledigen. Um dabei keinen Fehler zu begehen, machte sie ein Foto von den Wandscheiben und ging damit in den nächsten Baumarkt.

Hier ließ sie sich vom Mitarbeiter der Sanitärabteilung beraten und schilderte ihm auch anhand des Fotos unzweifelhaft, wofür die Blindstopfen benötigt wurden. Leider gab er ihr zwei Stopfen mit, die für den Einsatz in der Trinkwasserinstallation ungeeignet waren.

So kam es nach nur vier Wochen, wie es kommen musste: Einer der Stopfen brach, und es trat ein umfangreicher Wasserschaden in Dach- und Erdgeschoss ein.

Für einen dauerhaften Verschluss einer Trinkwasserleitung hätte ein Blindstopfen dieser Art verwendet werden müssen.
Für einen dauerhaften Verschluss einer Trinkwasserleitung hätte ein Blindstopfen dieser Art verwendet werden müssen.

Die Untersuchung im IFS ergab, dass der Blindstopfen aufgrund einer schnell fortgeschrittenen Spannungsrisskorrosion gebrochen war. Anhand der Legierungszusammensetzung konnte gezeigt werden, dass es sich bei den Messingstopfen um Heizungsbauteile handelte. Im Trinkwasser ist – im Gegensatz zum Heizungswasser – Sauerstoff vorhanden. Damit dieser nicht zu einer Spannungsrisskorrosion führt, müssen Messingwerkstoffe, die hier zum Einsatz kommen, spezielle Eigenschaften haben.

Die Untersuchung zeigte auch, dass die Versicherungsnehmerin die Stopfen mit der gebotenen Vorsicht montiert hatte. Außerdem schilderte sie, dass sie diese nach der Montage sogar noch eine Stunde lang auf Leckagen kontrolliert habe. Gleichwohl nützte ihre Vorsicht nichts – durch den Einbau der falschen Teile musste es früher oder später zum Schaden kommen.

Vielleicht hätte sie lieber den vor Ort tätigen Fachbetrieb bitten sollen, die Rohre zu verschließen – dieser hätte den Unterschied zwischen den Bauteilen kennen müssen. (Ma)

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