Eine winzige Pause mit desaströsen Folgen

Im Brandschutt der Halle ist die Dispergiermaschine mit Kessel und Dissolver (Pfeile) zu sehen.
Im Brandschutt der Halle ist die Dispergiermaschine mit Kessel und Dissolver (Pfeile) zu sehen.

Nur ganz kurz war ein Mitarbeiter in einem Herstellungsbetrieb für Farben, Lacke und Holzpflegeprodukte dem Ruf der Natur gefolgt. Als er von der Toilette zurückkam, sah er Flammen an der Maschine, für die er zuständig war. Der Feueralarm hatte bereits ausgelöst, und der Mann musste sich mit seinen Kollegen in Sicherheit bringen. Von der Produktionsstätte blieb nicht viel übrig.

Das Foto rechts zeigt die besagte Dispergiermaschine inmitten des Brandschutts der Halle. Dabei handelt es sich um eine Industrie-Rührmaschine, in deren Kessel Spezialprodukte, wie sie in dem Betrieb hergestellt wurden, angerührt werden.

Beim Blick in den Kessel sieht man, dass sich der Tauchsieder (Pfeil) samt Anschlussleitung um den Dissolver gewickelt hat.
Beim Blick in den Kessel sieht man, dass sich der Tauchsieder (Pfeil) samt Anschlussleitung um den Dissolver gewickelt hat.

Am Schadentag hatte sich eine Leinöl/Naturharzester-Lösung im Kessel befunden, die mit einem Dissolver – einem Scheibenrührer – gerührt wurde. Für den Herstellungsprozess ist Wärme notwendig. Darum befand sich im Kessel auch ein Tauchsieder.

Man erklärte dem IFS-Gutachter, der die Brandstelle untersuchte, dass der Tauchsieder bei Bedarf mit Schraubzwingen an der Kesselwand der Dispergiermaschine befestigt wurde. Den Tauchsieder, der am Schadentag zum Einsatz gekommen war, fand er beim Blick in den Kessel: Das Gerät hatte sich samt Anschlussleitung um den Dissolver gewickelt.

Beim Bergen der Maschine ist der verbogene Tauchsieder gut zu erkennen.
Beim Bergen der Maschine ist der verbogene Tauchsieder gut zu erkennen.

Der Produktionsprozess der Leinöl/Naturharzester-Lösung wird gewöhnlich permanent von einem Mitarbeiter beobachtet, denn die beteiligten Substanzen können sich entzünden. Als der Mitarbeiter am Schadentag kurz seinen Arbeitsplatz allein ließ, um zur Toilette zu gehen, hat sich der Tauchsieder gelöst und geriet ins Rührwerk der Maschine. Die Anschlussleitung wickelte sich um den Dissolver, und ein Funke entzündete die brennbaren Gase, die sich beim Herstellungsprozess über der Lösung bilden.

Im Betriebsablauf war nicht vorgesehen, dass der Mitarbeiter die Maschine verlässt. Er hätte, auch für diese kurze Zeit, einen Kollegen bitten müssen, ihn zu vertreten. Die technische Konstruktion erscheint allerdings ebenfalls abenteuerlich: Neben einer Befestigung des Tauchsieders mit Schraubzwingen im Kessel stellt sich auch die Frage nach den Erfordernissen des Brand- und Explosionsschutzes. Für einen Abgleich der angewandten Vorgehensweise mit den geltenden Regelwerken, wurde ein Ingenieurbüro eingeschaltet.

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