Dreißig Jahre zeitverzögert
Nachdem es in einer Dachgeschosswohnung zu einem Tötungsdelikt gekommen war, hatte der Eigentümer bei seiner Gebäudeversicherung die Kostenübernahme für eine Tatortreinigung gefordert.
Dabei handelte es sich jedoch um ein nicht versichertes Ereignis und die Versicherung lehnte die Kotenübernahme ab. Kurz darauf wurde in der Wohnung ein Wasserschaden festgestellt. Ein Eckventil war abgebrochen. Die Wohnung und die darunterliegenden Geschosse wurden zum Teil stark durchfeuchtet.
Wer nicht an Zufälle glaubt, wird hier vielleicht etwas skeptisch, ob sich alles so zugetragen hat, wie berichtet. So auch die Sachbearbeiterin bei der Versicherung. Sie beauftragte kurzerhand das IFS mit der Ursachenermittlung an dem Eckventil.

Bei einer ersten Inaugenscheinnahme fiel sofort auf, dass das über dreißig Jahre alte Eckventil eindeutig schon bessere Zeiten gesehen hatte: Der Bediengriff fehlte vollständig, sodass die Spindel zuletzt offensichtlich nur noch mit einer Zange bedienbar war.
Gebrochen war das Ventil an der dünnsten Stelle des Gehäuses, in einer Nut am selbstdichtenden Anschlussgewinde. Über dieses Schadenbild, das durch nicht ausreichend weites Einschrauben im Rahmen der Installation begünstigt wird, hat das IFS an dieser Stelle schon mehrfach berichtet. Oft kommt es schon in den ersten zwei Betriebsjahren zum Bruch.

Bei der Laboruntersuchung zeigte sich auch ein mit den übrigen Fällen vergleichbares Schadenbild: Dir Bruchfläche war bereits stark mit Wasserinhaltsstoffen und Korrosionsprodukten belegt, also schon länger mit Wasser in Kontakt. Es gab nur einen kleinen frischen Bruchbereich, wie er typisch ist, wenn ein Bauteil bereits so stark geschädigt ist, dass es auch normalen Betriebsbedingungen nicht mehr aushält.
Aufgrund der Alterungsspuren war klar, dass das Eckventil bereits vor den oben genannten Geschehnissen in der Wohnung stark vorgeschädigt war. Ein absichtliches Herbeiführen des Wasserschadens war auszuschließen.

Warum war der Bruch nun erst so viele Jahre nach der fehlerhaften Installation eingetreten?
Erst als der Bediengriff fehlte und das Ventil mit einer Zange bedient wurde, wurden die Belastungen so groß, dass der lange zurückliegende Installationsfehler zum Bruch des Ventils führte.
Die Spuren an den schadenursächlichen Bauteilen erzählen fast immer eine eindeutige Geschichte und helfen der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Hier konnte der Verdacht widerlegt werden. Oft ist es aber auch anders… (SBO)