Schäden durch unsanften Umgang

Die Wasserfilterpatrone: An der Verschraubung des Kopfes ist die O-Ringdichtung verrutscht.
Die Wasserfilterpatrone: An der Verschraubung des Kopfes ist die O-Ringdichtung verrutscht.

Installationsfehler sind nach der Statistik des IFS die häufigste Ursache für Leitungswasserschäden. Oft entstehen Leckagen zum Beispiel, weil bei der Montage zu viel Kraft eingesetzt wurde. Doch manchmal stehen die Fachleute auch zu Unrecht im Verdacht. Auch bei der alltäglichen Benutzung müssen Installationen und Bauteile oft einiges einstecken.

Im hier beschriebenen Fall war in einer Küche Wasser aus einer Enthärterpatrone gelaufen. Ein IFS-Gutachter sollte durch eine Laboruntersuchung prüfen, ob ein Installations- oder ein Materialfehler zu diesem Schaden geführt hatte. Weder die eine noch die andere Vermutung bestätigte sich.

Im Gewinde ist ein Riss entstanden.
Im Gewinde ist ein Riss entstanden.

Zunächst fiel auf, dass sich die O-Ringdichtung an der Verschraubung des Patronenkopfes nicht vollständig an der richtigen Position befand: An einer Stelle war der Gummiring aus seiner Führungsnut gerutscht und ragte sichtbar über den Rand.

Nach dem Lösen des Filterkopfes trat der Grund dafür in Erscheinung. Denn im Gewinde aus glasfaserverstärktem Kunststoff klaffte über etwa ein Viertel des Umfanges ein Riss. Durch diesen Riss konnte Wasser austreten und die Dichtung aus der Führungsnut drücken.

Die REM-Aufnahme der Bruchfläche zeigt Strukturen eines Gewaltbruchs.
Die REM-Aufnahme der Bruchfläche zeigt Strukturen eines Gewaltbruchs.

Die elektronenmikroskopische Untersuchung der Bruchfläche ergab, dass es sich um einen Gewaltbruch handelte. Einen Materialfehler gab es nicht. Die Patrone wurde laut Unterlagen regelmäßig von einer Fachfirma ausgetauscht. Der jüngste Austausch lag allerdings bereits acht Monate zurück. Damit konnte der Gutachter ebenfalls ausschließen, dass der Riss durch den Monteur initiiert wurde, denn so alt waren die Bruchflächen noch nicht.

Schadenursache war eine mechanische Krafteinwirkung während des Betriebes. Enthärterpatronen werden in der Regel in den Spülenunterschrank gestellt und sind somit frei zugänglich. In diesem Fall war der Patronenkopf zugleich der Handgriff der Patrone. Vermutlich hatte sie jemand umgestellt und war dabei irgendwo angestoßen. Gewinde – und insbesondere Kunststoffgewinde – sind empfindlich gegen Stöße und müssen mit einer gewissen Vorsicht behandelt werden.

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