Feuerwehr statt Schornsteinfeger

Der Ofen im Flur mit der dahinter geöffneten Wand. Die Pfeile markieren die Stelle, an der das Rauchrohr durch die Wand geführt wurde.
Der Ofen im Flur mit der dahinter geöffneten Wand. Die Pfeile markieren die Stelle, an der das Rauchrohr durch die Wand geführt wurde.

Am Nachmittag wird die Feuerwehr zu einem historischen Fachwerkhaus gerufen. Zu diesem Zeitpunkt ist es etwa zwei Wochen her, dass der Bewohner im Erdgeschoss des Gebäudes einen Holzofen aufgestellt hat.

Die entsprechende Abgasführung hat er selbst erstellt, und sein Eigenbau steht auch im Mittelpunkt dieses Brandfalls, den das IFS später untersuchte.

Die Bilder rechts zeigen den Ofen im Flur des Erdgeschosses, wo er ursprünglich neben der Eingangstür gestanden hatte. Im Zuge der Löscharbeiten wurde die dahinter liegende Wand geöffnet. Die Feuerwehr hatte den Brand auf diesen Wand- und den darüber liegenden Dachbereich eingrenzen können.

Blick vom angrenzenden Wohnraum, in den das Rauchrohr vom Flur durch die Wand und von dort nach oben geführt wurde.
Blick vom angrenzenden Wohnraum, in den das Rauchrohr vom Flur durch die Wand und von dort nach oben geführt wurde.

Wie so oft in ähnlichen Fällen, hat auch hier eine Überhitzung von Holzbauteilen zum Brandausbruch geführt. Der Hausbewohner hatte das Rauchrohr des Ofens direkt hinter diesem durch die Wand in einen angrenzenden Wohnraum und von dort nach oben durch die Zimmerdecke, weiter in den Dachbereich und durch das Dach nach draußen geführt.

Das einwandige Rauchrohr hatte er aus diversen Bauteilen zusammengebastelt. Zwar verlief es in einem Schutzrohr, doch für Mindestabstände hatte sich der Mann nicht interessiert. Auf dem Foto oben rechts ist das Abgasrohr zu sehen, das während der Untersuchung vom IFS-Gutachter am ursprünglichen Einbauort platziert wurde. Dabei stellte der Gutachter fest, dass es genau dort verlief, wo sich auch ein Holzständer der Wand befunden hatte. Der Hausbewohner muss das Holz der Fachwerkwand zurückgeschnitten haben, um für das Rauchrohr Platz zu schaffen.

Der Holzständer, der in der Einbausituation passgenau am Rauchgasrohr gelegen hatte, war in diesem Bereich weggebrannt. Heiße Rauchgase des Ofens, der noch am Morgen des Schadentages befeuert worden war, hatten das Holz überhitzt und schließlich entzündet.

In einem anderen Gebäudeteil befindet sich ein weiterer Ofen. Dessen einwandiges Rauchrohr verläuft ohne Mindestabstand zu Holzbauteilen durch die Dachhaut.
In einem anderen Gebäudeteil befindet sich ein weiterer Ofen. Dessen einwandiges Rauchrohr verläuft ohne Mindestabstand zu Holzbauteilen durch die Dachhaut.

In einem anderen Teil des Gebäudes gab es einen weiteren Holzofen. Auch hier hatte man bei der Abgasführung nicht auf Mindestabstände zu brennbaren Bauteilen geachtet, wie sie in den Feuerungsverordnungen der Bundesländer festgelegt sind. Zwar war es an dieser zweiten Feuerstätte nicht zum Brandausbruch gekommen, doch auch hier war die Einbausituation riskant.

Eine Abnahme durch den Bezirksschornsteinfeger gab es für den Ofen aus dem Hausflur nicht, obwohl sie für neu erstellte Feuerstätten vorgeschrieben ist. Statt des Schornsteinfegers haben sich schließlich die Feuerwehr und das IFS die Arbeit des Hobby-Ofenbauers angesehen.

Diesen Beitrag weiterempfehlen