Inkompatible Rohrsysteme kombiniert

Der betroffene Leitungsabschnitt: An der markierten Stelle hat sich die Pressverbindung gelöst.
Der betroffene Leitungsabschnitt: An der markierten Stelle hat sich die Pressverbindung gelöst.

Auch für eine Übergangslösung sollte man nicht alle Qualitätsansprüche über Bord werfen. Während der Sanierung eines über hundert Jahre alten Hauses kam es zu einem umfangreichen Schaden, weil genau das geschehen war. Im Spitzboden hatte sich in einer provisorisch montierten Rohrabstopfung, die zur Trinkwasserinstallation gehörte, eine Pressverbindung gelöst. Wasser lief durch alle vier Stockwerke bis ins Erdgeschoss.

Der betroffene Leitungsabschnitt wurde zur Ermittlung der Schadenursache ins IFS geschickt. Wie sich zeigte, war er nicht nur farblich bunt zusammengestellt.

Ein Rohr des Pressverbindungssystems ist mit einer passenden Kupplung verbunden.
Ein Rohr des Pressverbindungssystems ist mit einer passenden Kupplung verbunden.

Die getrennte Pressverbindung bestand aus folgenden drei Komponenten: Ein schwarzes Metallverbundrohr, das zu einem Presssystem eines namhaften Herstellers gehört, eine dazu passende schwarze Kunststoff-Kupplung und ein weißes Mehrschichtverbundrohr, dessen Hersteller unbekannt blieb.

Bei dem Presssystem des namhaften Herstellers werden die Verbindungen ohne Presshülse erstellt. Das Aluminiumrohr in dem schwarzen Metallverbundrohr wird beim Verpressen eingeschnürt und dadurch auf der profilierten Kupplung fixiert.

Querschnitt durch beide Rohrtypen: Die grüne Linie verdeutlicht die Wandstärke des Systemrohres, die rote die des Mehrschichtverbundrohres. Die Pfeile zeigen auf die Aluminiumschicht des einen und das Aluminiumrohr des anderen Produktes.
Querschnitt durch beide Rohrtypen: Die grüne Linie verdeutlicht die Wandstärke des Systemrohres, die rote die des Mehrschichtverbundrohres. Die Pfeile zeigen auf die Aluminiumschicht des einen und das Aluminiumrohr des anderen Produktes.

Die Abdrücke sowohl auf dem schwarzen als auch auf dem weißen Rohrstück zeigten, dass der Monteur für beide Verbindungen dasselbe Presswerkzeug verwendet hatte. Dieses war jedoch nur für die Pressverbindung am schwarzen Rohr systemkonform. Für die Verpressung am weißen Rohr traf das nicht zu, sodass diese nicht zum gewünschten Ergebnis führte. Während die Pressverbindung zwischen der Kupplung und dem schwarzen Metallverbundrohr dicht und kraftschlüssig war, hatte sie sich auf der Seite des weißen Rohres gelöst.

Letzterem fehlte nämlich das innere Aluminiumrohr; es hatte lediglich eine dünne Aluminiumschicht. Ein solches Rohr hätte über eine Presshülse verbunden werden müssen . Kurzum – das Mehrschichtverbundrohr war nicht mit dem Presssystem kompatibel, zu dem die anderen beiden Komponenten gehörten. Eine dauerhaft dichte und kraftschlüssige Verbindung konnte man mit dieser zusammengewürfelten Bauteilmischung nicht herstellen.

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