Explosion im Kinderzimmer

Im Kinderzimmer ist nur noch ein kleiner Teil der Giebelwand vorhanden.
Im Kinderzimmer ist nur noch ein kleiner Teil der Giebelwand vorhanden.

Ein lauter Knall alarmierte eine Frau, die sich zu diesem Zeitpunkt im Wohnzimmer ihres Einfamilienhauses aufhielt. Ihr Lebensgefährte war im Kinderzimmer im Dachgeschoss damit beschäftigt, die Holzdecke zu lackieren. Sie eilte ins Kinderzimmer, konnte ihn aber dort nicht finden. Der Mann befand sich mit schweren Verbrennungen außerhalb des Gebäudes.

Als ein IFS-Gutachter einige Tage später zur Schadenstelle kam, waren die Explosionsschäden am Haus nicht zu übersehen: Im Bereich des Kinderzimmers fehlte die Giebelwand fast vollständig. Im Garten lagen Mauerreste, Dachziegel, Mineralwolle und herausgerissene Fensterrahmen. Im Haus war deutlich zu erkennen, dass eine Druckwelle das Dach angehoben hatte. Auch die Wand zum Treppenhaus wurde dadurch zerstört.

Bis auf den Stoßbereich zwischen Dachschräge und Decke hatte der Lebensgefährte der Versicherungsnehmerin die Paneele bereits mit dem Lackspray lackiert.
Bis auf den Stoßbereich zwischen Dachschräge und Decke hatte der Lebensgefährte der Versicherungsnehmerin die Paneele bereits mit dem Lackspray lackiert.

Am Heizkessel und den Gasleitungen im Keller gab es keine Brandspuren oder Undichtigkeiten. Zudem stand das Dachgeschoss ganz klar im Mittelpunkt des Geschehens. Dem Spurenbild nach hatte es im Kinderzimmer eine Verpuffung gegeben. Die Ursache dafür fand der Gutachter in Form von 16 Spraydosen, von denen alle bis auf eine fast vollständig leer waren.

Der Lebensgefährte hatte die Holzdecke mit Lackspray lackiert. „Gefahr. Enthält Aceton. Extrem entzündbares Aerosol“, stand auf einer der Dosen, die der Gutachter asservierte. Auch der Hinweis: „Ohne ausreichende Belüftung Bildung explosionsfähiger Gemische möglich“, war dort aufgedruckt. Für die geforderte ausreichende Belüftung hatte der Mann beim Sprayen offensichtlich nicht gesorgt. Die Stellung der Fenstergriffe, die im Garten lagen, ließ vermuten, dass die Fenster zum Schadenzeitpunkt nur gekippt waren.

Es wurden insgesamt 16 Lackspraydosen gefunden, von denen alle bis auf eine fast leer waren.
Es wurden insgesamt 16 Lackspraydosen gefunden, von denen alle bis auf eine fast leer waren.

Aus den Angaben zum Inhalt der Dosen und dessen Eigenschaften konnte der Gutachter errechnen, dass unter ungünstigen Umständen bereits der Inhalt von 3,5 Spraydosen ausgereicht hätte, um im Kinderzimmer eine explosionsfähige Atmosphäre zu erzeugen. Ein Funke, der ein Gas-Luft-Gemisch entzündet, findet sich in jedem Haushalt mühelos. Dafür genügt zum Beispiel der Schaltfunke eines Lichtschalters.

Warnhinweise auf Spraydosen gehören für uns zum Alltag. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, dass sie aus gutem Grund auf den Verpackungen abgedruckt sind.

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