Vom Aufstieg und Fall eines Ausdehnungsgefäßes

Das Ausdehnungsgefäß (1) und die Membran (3) wurden bei der Schadenentdeckung neben dem Flanschanschluss (2) gefunden.
Das Ausdehnungsgefäß (1) und die Membran (3) wurden bei der Schadenentdeckung neben dem Flanschanschluss (2) gefunden.

In einem neu gebauten Fußballstadion fiel während eines Spiels der Aufzug im Cateringbereich aus, weil sich Wasser im Fahrstuhlschacht befand. Die Suche nach der Ursache führte in den Technikraum, wo sich herausstellte, dass am Schadentag nicht nur der Ball geflogen war.

Damit im Brandfall Wasser über alle Löschwasserleitungen des Stadions verteilt werden kann, müssen diese unter einen ausreichenden Druck gesetzt werden. Darum ist eine Feuerlöschanlage wie die hier beschriebene mit einer Druckerhöhungsanlage ausgestattet. Teil dieser Anlage ist ein Membranausdehungsgefäß (MAG), das Druckspitzen ausgleicht, die beim Einschalten oder durch Temperaturänderungen entstehen.

Das Gefäß ist sichtlich verbeult und die Kragenöffnung deformiert.
Das Gefäß ist sichtlich verbeult und die Kragenöffnung deformiert.

Bei der Schadenentdeckung lag das MAG neben dem Flanschanschluss, mit dem es ursprünglich verschraubt war. Die Gummimembran, die sich darin hätte befinden sollen, lag daneben. Verformungen an der Kragenöffnung des Gefäßes zeigten, dass es durch einen massiven Druckanstieg von der Verbindung getrennt wurde.

Das Gehäuse war außerdem stark verbeult, und wo es sich diese Beulen zugezogen hatte, konnte der IFS-Gutachter im Technikraum sehen: Am Gehäuse der Anlagensteuerung gab es die deutliche Spur eines Einschlages, eine weitere an der Betondecke. Für ein MAG war das eine außerordentliche Flugbahn. Glücklicherweise hatte sich zum Schadenzeitpunkt niemand im Raum aufgehalten.

Von seinem Installationsort an der markierten Stelle ist das Ausdehnungsgefäß zunächst gegen das Gehäuse der Steuerungsanlage und dann gegen die Betondecke geflogen.
Von seinem Installationsort an der markierten Stelle ist das Ausdehnungsgefäß zunächst gegen das Gehäuse der Steuerungsanlage und dann gegen die Betondecke geflogen.

Zu diesem Schaden konnte es kommen, weil die Feuerlöschanlage keine Druckabsicherung hatte. Die Druckschwankungen, die durch äußere Temperaturänderungen entstehen, hätte das MAG gewöhnlich ausgleichen können. Berechnungen des Gutachters ergaben jedoch, dass Bedienfehler oder Undichtigkeiten zu Systemdrücken in der Feuerlöschanlage führen konnten, für die das Ausdehnungsgefäß nicht ausgelegt war.

Am Schadentag war es zu einem Druckanstieg in der Feuerlöschanlage gekommen, der so stark war, dass der Stahlkragen des MAG von der Flanschverbindung gedrückt und das Gefäß durch den Raum geschleudert wurde. An der getrennten Verbindung trat Wasser aus, das sich im Fahrstuhlschacht sammelte und so auf den Schaden aufmerksam machte.

Die fehlende Druckabsicherung hatte nicht nur zur Folge, dass dieser Schaden entstehen konnte, sondern auch, dass die Feuerlöschanlage nicht funktionsfähig war. In gewisser Weise war es Glück, dass sich dieser Fehler durch einen Wasserschaden offenbart hatte.

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