Viel zu hoher Betriebsdruck

Eines der Rohre in der Kühldecke hat sich gelöst.
Eines der Rohre in der Kühldecke hat sich gelöst.

Eine Wärmeschutz-Fassade aus Glas mit hocheffizienter, energiesparender Technik sowie eine Wärme- und Kälteerzeugung in der Lüftungs- und Klimatechnik – sowohl die Architektur als auch die Technik eines neuen Bürogebäudes waren hochmodern. Und doch gab es nur anderthalb Jahre nach der Fertigstellung einen umfangreichen Wasserschaden. Einen knappen Monat später folgte ein zweiter.

Das IFS wurde mit der Ermittlung der Schadenursachen beauftragt. Die Leckage lag in beiden Fällen jeweils an einem Verteiler in der Kühldeckenkonstruktion, wo sich eine Rohrverbindung gelöst hatte.

Druckprüfung im IFS-Labor.
Druckprüfung im IFS-Labor.

Die blauen Kunststoffrohre des Kühlsystems waren über Messingsteckhülsen mit einem Heizkreisverteiler aus weißem Kunststoff verbunden. An den Fehlerstellen hatte sich eine Messinghülse und damit auch die entsprechende Rohrverbindung gelöst.

Von der Installationsfirma des Kühlsystems erfuhr der Gutachter, dass es mit einem Betriebsdruck von 9 bis 10 bar betrieben wurde. Die Druckprüfung bei der Inbetriebnahme war den Unterlagen zufolge jedoch lediglich mit 6 bar durchgeführt worden. Das ist ungewöhnlich, weil eine solche Prüfung in der Regel mit dem 1,5-fachen des Betriebsdrucks durchgeführt wird. Dieser Wert ist in der DIN EN 124-4 festgehalten.

Die Messingsteckhülse (Pfeil) hat sich gelöst, und das Rohr ist aus dem Verteiler aus weißem Kunststoff gerutscht.
Die Messingsteckhülse (Pfeil) hat sich gelöst, und das Rohr ist aus dem Verteiler aus weißem Kunststoff gerutscht.

Der Gutachter prüfte die Verbindung im Labor also entsprechend mit 15 bar. Schon nach wenigen Minuten löste sich die Messingsteckhülse aus dem Kunststoffgehäuse des Verteilers. Der Druck war zweifellos zu hoch.

In den Unterlagen des Herstellers war der Betriebsdruck mit 1,5 bis 2 bar angegeben. Für diesen Betriebsdruck hätte die Druckprüfung mit 6 bar, die das Installationsunternehmen vor der Inbetriebnahme des Systems durchgeführt hatte, vollkommen ausgereicht. Warum die selben Fachleute das Kühlsystem anschließend mit 9 bis 10 bar betrieben, konnte der Gutachter nicht nachvollziehen. Bei einem so hohen Druck musste es an den dafür nicht ausgelegten Leitungsverbindungen in der Kühldecke zu Schäden kommen.

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