Platz für die neue Kollektion
Ein Bekleidungsgeschäft hatte gerade die neue Kollektion erhalten. In den beiden Lagerräumen stapelten sich Kartons und Kisten, doch nichts davon sollte jemals verkauft werden.
Der erste Mitarbeiter, der am Morgen die Tür zu den Betriebsräumen öffnete, bemerkte Brandgeruch. Im Heizungsraum im Keller war alles unauffällig, stellte er fest. Doch im ersten Stock quoll ihm Rauch entgegen. Die Lagerräume dort konnte er nicht mehr betreten.

Die Feuerwehr löschte den Brand, der sich über beide Lagerräume ausgebreitet hatte. In den übrigen Betriebsräumen, inklusive des großen Verkaufsraumes im Erdgeschoss, gab es zwar keine direkten Brandschäden, aber alle Oberflächen – und damit auch alle Waren – wurden durch Ruß und Rauchgaskondensate verschmutzt.
Auf der Suche nach der Ursache lokalisierte ein IFS-Gutachter die Brandentstehung in einer Ecke des ersten Lagerraumes. Hier hatte an der Wand ein Nachtspeicherofen gestanden. Er war programmiert, den Lagerraum tagsüber 20 °C warm zu halten. Darum hatte er sich am Schadentag eingeschaltet, während noch niemand im Betrieb war.

Allerdings hatte jemand am Tag zuvor eine Kiste mit Neuware direkt vor den Ofen gestellt. Die Kunststoffschmelze auf dem Boden verriet, dass gerade einmal 15 Zentimeter Platz zwischen der Kiste und den Lüftungsöffnungen des Nachtspeicherofens lagen.
Es hätten allerdings mindestens 50 Zentimeter sein müssen, wie der Gutachter den Angaben des Geräteherstellers entnehmen konnte. Es hatte darum nach dem programmierten Einschalten des Nachtspeicherofens nicht lange gedauert, bis die Kiste samt Inhalt in Flammen stand.

Die Neuware, mit der jede freie Fläche der Lagerräume zugestellt war, lieferte ideale Bedingungen für eine schnelle Brandausbreitung. Und so schafften die Flammen Platz für die übernächste Kollektion. (is)