Frostsicher, aber nicht feuerfest

An einem kalten Winterabend bemerkten Nachbarn den Vollbrand einer aufgeständerten Holzterrasse an der Rückseite eines Einfamilienwohnhauses. Sie alarmierten die Feuerwehr.

Die Einsatzkräfte trafen relativ schnell an der Brandstelle ein, konnten aber einen umfangreichen Brandschaden an dem Gebäude nicht verhindern.

Im markierten Bereich steht der Olivenbaum unter der aufgeständerten Terrasse.
Im markierten Bereich steht der Olivenbaum unter der aufgeständerten Terrasse.

Wenige Tage später begab sich ein IFS-Gutachter an der Schadenstelle auf die Suche nach der Brandursache. Zunächst befragte er die Hausbewohner:

Am Schadentag hatten sie etwa 20 Minuten vor der Brandentdeckung das Haus verlassen, um mit ihrem Hund spazieren zu gehen. Am selben Nachmittag hatte die Hausbewohnerin in dem offenen Lagerbereich unter der aufgeständerten Terrasse bei einem dort abgestellte Olivenbaum mehrerer Teelichte entzündet, um ihn vor der Kälte zu schützen.

Der Blumenkübel und der Stamm des Olivenbaumes seien zudem zum Schutz vor Frosteinwirkungen mit Luftpolsterfolie umwickelt gewesen. Die belaubte Krone des Baumes habe bis zur Decke gereicht, also bis an den Terrassenboden aus Holz. Der relativ große Hund lief gewöhnlich frei in dem vollständig umfriedeten Garten umher.

Die Belaubung des Olivenbaums ist bis auf dickere Zweige verbrannt, der Stamm weist Brandzehrungen auf. Auf der Erde in dem Blumenkübel sind zwei Glasbehälter mit großen Teelichten (Pfeil 2) und ein Kerzenständer aus Wurzelholz (Pfeil 1) mit zwei bestückten Teelichthaltern vorhanden. Die Ellipsen markieren Überreste der Luftpolsterfolie.
Die Belaubung des Olivenbaums ist bis auf dickere Zweige verbrannt, der Stamm weist Brandzehrungen auf. Auf der Erde in dem Blumenkübel sind zwei Glasbehälter mit großen Teelichten (Pfeil 2) und ein Kerzenständer aus Wurzelholz (Pfeil 1) mit zwei bestückten Teelichthaltern vorhanden. Die Ellipsen markieren Überreste der Luftpolsterfolie.

Im Bereich des Olivenbaumes war zweifellos das Feuer entstanden. Es hatte sich über die Terrasse, die mit einer Überdachung aus Kunststoffwellplatten versehen war, und das Wärmedämmverbundsystem an der Fassade des Wohnhauses bis zum Dach und weiter in das Haus ausgebreitet.

Der Gutachter sah sich den Baum näher an: Die Belaubung war bis auf dickere Zweige verbrannt; der Stamm wies Brandzehrungen auf. Auf der Erde in dem Blumenkübel lagen zwei Glasbehälter mit großen Teelichten und ein Kerzenständer aus Wurzelholz mit zwei bestückten Teelichthaltern. Das Wurzelholz des Kerzenständers war einseitig brandgezehrt. In einem Teelichtbecher gab es keine Wachsüberreste mehr. An dem Blumenkübel fanden sich noch Reste von Luftpolsterfolie.

Das Wurzelholz des Kerzenständers ist einseitig brandgezehrt (Pfeile). In einem Teelichtbecher (kreisförmige Markierung) sind keine Wachsüberreste mehr vorhanden.
Das Wurzelholz des Kerzenständers ist einseitig brandgezehrt (Pfeile). In einem Teelichtbecher (kreisförmige Markierung) sind keine Wachsüberreste mehr vorhanden.

Neben der Haustür stand ein weiterer Olivenbaum mit umwickelter Luftpolsterfolie. Der Gutachter unternahm einen kleinen Brandversuch: Die Luftpolsterfolie ließ sich mit einer Feuerzeugflamme mühelos entzünden und brannte selbstständig abtropfend weiter.

Etwas Ähnliches war auch am Schadentag geschehen, nur dass es keine Feuerzeugflamme, sondern die der Teelichte war. Möglicherweise hatte der Hund den Kerzenständer aus Wurzelholz umgekippt.
Offene Flammen darf man nicht unbeaufsichtigt lassen, schon gar nicht in unmittelbarer Nähe brennbarer Materialien. (JH)