Vom Leinöl zum Löscheinsatz

In der Decke des Schlafzimmers befindet sich eine Öffnung zum Dachgeschoss.
In der Decke des Schlafzimmers befindet sich eine Öffnung zum Dachgeschoss.

In Eigenleistung renovierte ein Mann die Dachgeschosswohnung im Hause seiner Eltern. Sie wohnten im Erdgeschoss; seine eigene Wohnung lag im ersten Stockwerk des Gebäudes. Am Abend hatte er die Küchenarbeitsplatte im Dachgeschoss mit Leinöl behandelt. Bevor er am nächsten Morgen zur Arbeit ging, fiel ihm ein leichter Brandgeruch auf. Er fragte seinen Vater, ob dieser etwas angebraten hätte, verließ dann aber das Haus, ohne dem Geruch weitere Beachtung zu schenken.

Blick von unten auf das Loch in der Schlafzimmerdecke.
Blick von unten auf das Loch in der Schlafzimmerdecke.

Als er am späten Nachmittag zurückkehrte, hatte sich der Brandgeruch in seiner Wohnung ausgebreitet, und er suchte die Ursache. Beim Öffnen der Tür zur Dachgeschosswohnung kam ihm dichter Rauch entgegen. Die Feuerwehr öffnete dort wenig später den Fußboden, in dem sich ein Brand entwickelt hatte. Von der Dachgeschosswohnung gab es nun eine direkte Verbindung ins darunter liegende Schlafzimmer.

Nachdem er tags zuvor mit dem Behandeln der Arbeitsplatte fertig gewesen war, hatte er die mit Leinöl getränkten Lappen in einem Kunststoffeimer entsorgt, der im Dachgeschoss vor einem Fenster stand. Im Laufe der nächsten Stunden lief dort ein interessanter chemischer Prozess ab:

Im Dachgeschoss wurde die Öffnung im Fußboden provisorisch verschlossen.
Im Dachgeschoss wurde die Öffnung im Fußboden provisorisch verschlossen.

Leinöl ist ein hochwertiges Pflanzenöl mit ungesättigten Fettsäuren. Es eignet sich für die gesunde Küche ebenso wie zur Pflege von Holzfußböden und -möbeln. Allerdings neigt es zur Selbstentzündung, und dieser Prozess kann bei Leinöl bereits bei Raumtemperatur einsetzen. Die darin enthaltenen ungesättigten Fettsäuren reagieren mit dem Sauerstoff der Umgebungsluft. Dabei wird Wärme freigesetzt.

Ist das Öl auf einer großen Oberfläche verteilt, ohne dass die entstehende Wärme entweichen kann – wie zum Beispiel auf einem zerknüllten Lappen –, so kann sich die exotherme Reaktion bis zur Selbstentzündung aufschaukeln.

In der Nacht vor der Schadenentdeckung gerieten zunächst die Lappen, dann der Kunststoffeimer und schließlich der Holzfußboden in Brand. Mangels Sauerstoff entwickelte sich allerdings kein Flammenbrand, sondern ein Schwelbrand. Darum zog zwar ein ungewöhnlicher Geruch durch das Haus, aber die Brandentwicklung blieb unentdeckt.

Mit Leinöl getränkte Lappen sollten entweder in einem mit Wasser gefüllten oder in einem geschlossenen, feuerfesten Behälter entsorgt werden. Bei Brandgeruch in den eigenen vier Wänden lohnt es sich außerdem, nach der Quelle zu suchen.

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