Überdimensionierte Sanierungsangebote

Manche Angebote für die Beseitigung von Feuchte- und Schimmelschäden enthalten zu viele Leistungen – und in einigen Fällen geradezu Unsinniges

Die Sensibilität für Gesundheitsrisiken durch Schimmelpilzbefall nimmt zu. Diese an sich positive Entwicklung wird allerdings von einigen Sanierungsfachbetrieben genutzt, um Leistungen anzubieten, die weit über dem notwendigen Maß liegen oder sogar schlicht unsinnig sind. Ein Beispiel: In einem Heizungsraum einer Gewerbeimmobilie kam es zum Austritt von heißem Wasser und in der Folge zu einer Schimmelpilzbildung an den Wänden und Decken dieses Raumes und dem direkt angrenzenden WC.

Das daraufhin erstellte Sanierungsangebot eines Fachbetriebes weist auf der ersten Seite in roten, dick gedruckten Buchstaben auf eine „erhöhte Gesundheitsgefährdung im gesamten Bürotrakt“ hin, gefolgt von einem Angebot mit medizinisch klingenden Maßnahmen. Es wird vom „Sterilisieren“ von Wandoberflächen mit Infrarotplatten und einer mehrfachen Raumluftdesinfektion durch Vernebelung eines Biozids vor, während und nach der Sanierung gesprochen. Zusätzlich sollen „Plasmaionen“ an schwer zugänglichen Raumecken Schadstoffe entfernen.

Welche Arbeiten sind nach einem Feuchteschaden notwendig?
Welche Arbeiten sind nach einem Feuchteschaden notwendig?

„Überzogene Sanierungskonzepte sehen wir immer wieder “, sagt Dr. Stefan Schallmoser. Auftrag des IFS-Gutachters war es in diesem Fall, das Angebot des Sanierers fachlich zu prüfen und einen angemessenen Sanierungsvorschlag zu erstellen. Insbesondere die Raumluftdesinfektion ist für eine fachgerechte Sanierung in der Regel unnötig. Im Schimmelleitfaden des Umweltbundes­amtes, der anerkannte Empfehlungen für eine erfolgreiche, nachhaltige Beseitigung derartiger Schäden gibt, wird die Biozidbehandlung sogar explizit als nicht sinnvoll erwähnt. In diesem Fall hätten das Abtragen der verschimmelten Farbschichten und eine anschließende Feinreinigung bereits zum Sanierungsziel geführt.

Ohne Fachwissen ist es schwierig, ein Sanierungskonzept einzuschätzen. Um den Gebäudeversicherer, dem diese Angebote gewöhnlich vorgelegt werden, an diesem Punkt zu unterstützen, bietet das IFS neben der Untersuchung von Feuchte- und Schimmelpilzschäden sowie einer ersten Skizzierung der notwendigen Maßnahmen auch die technische Prüfung von Sanierungsangeboten an. „Der Wunsch von Immobilienbesitzern und -bewohnern, nach einem Schimmelschaden wieder einen hygienisch einwandfreien Zustand zu erreichen, ist nur allzu berechtigt, und dieses Ziel muss auch erreicht werden“, sagt Schallmoser. Genau daran sollten sich die vorgeschlagenen Maßnahmenkataloge orientieren. Insbesondere aufwendige Desinfektionsmaßnahmen haben häufig bedeutend klingende Bezeichnungen – etwa „Plasmaionen“ oder „Raumluftdesinfektion im Turbodust-Mikrofein-Sprühverfahren“ –, aber keinen relevanten Effekt. „Solche Formulierungen im Angebot sollten hellhörig machen“, sagt Schallmoser. „Im Zweifelsfall lohnt es sich, einen unabhängigen Fachmann um Einordnung zu bitten.“

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