Falsch deklarierter Abfall beginnt zu brennen

Das Abfallgemisch wurde nach dem Brand in ein von Betonmauern eingefasstes Schüttgutlager umgeschichtet.
Das Abfallgemisch wurde nach dem Brand in ein von Betonmauern eingefasstes Schüttgutlager umgeschichtet.

In der Sortierhalle eines Entsorgungsbetriebes kam es zum Brandausbruch, als ein Abfallgemisch abgekippt wurde. Schon als das erste Material aus dem Container fiel, beobachteten Mitarbeiter Flammenbildung.

Die Löschmittel, die in der Halle vorgehalten wurden, genügten nicht, um das Feuer einzudämmen. Erst die Feuerwehr konnte den Brand unter Kontrolle bringen. Später sollte das IFS ermitteln, wie es zu diesem Schaden gekommen war. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Containerinhalt bereits in einem von Betonmauern eingefassten Schüttgutlager im Außenbereich. Laut Deklaration handelte es sich um Baumischabfälle. Sie waren bei einem Brandschaden in einem Betrieb angefallen, der Kohle-, Grill- und Kaminanzünder produzierte.

Mit einem Greifbagger werden die inneren Schichten zugänglich gemacht.
Mit einem Greifbagger werden die inneren Schichten zugänglich gemacht.

Um die inneren Schichten in Augenschein nehmen zu können, ließ der Gutachter die Abfälle mit einem Greifbagger auseinanderziehen. In der Schüttung, die durch das Löschwasser durchnässt war, hatten bereits Gärungsprozesse eingesetzt, und das Material hatte sich auf über 60 °C erhitzt.

Die Zusammensetzung des Abfalls beschränkte sich bei genauerem Hinsehen keinesfalls auf Bau- und Abbruchabfälle. Der Gutachter fand darin gewöhnlichen Haushaltsmüll und eine erhebliche Menge Grillanzünder in unterschiedlichen Formen.

Darunter waren Anzündtabs, auf deren Verpackungsfolie das internationale Piktogramm für entzündbare oder selbstzersetzliche Gefahrstoffe abgebildet war. Die Folien der einzeln verpackten Tabs waren zum Teil zerrissen, so dass sich zerbröselte Anzünder mit dem übrigen Abfall gemischt hatten.

Auf der Verpackungsfolie der Anzündtabs sind Warnhinweise abgebildet.
Auf der Verpackungsfolie der Anzündtabs sind Warnhinweise abgebildet.

Eine Laboruntersuchung im IFS ergab, dass es sich bei den Hauptkomponenten der Grillanzünder um Stoffe handelte, die bei erhöhter Temperatur entzündliche organische Dämpfe bilden können. Genau das war am Schadentag geschehen. Beim Abkippen der Abfälle hatte sich das Gemisch vermutlich durch elektrostatische Entladung oder einen Reibungsfunken entzündet.

Ein Entsorgungsbetrieb ist auf den Umgang mit Gefahrstoffen vorbereitet. Allerdings müssen die Abfälle entsprechend deklariert sein, und das war hier nicht der Fall. Das Abfallgemisch hätte mit einem Hinweis auf gefährliche Stoffe gekennzeichnet werden müssen. Je nach Art der gefährlichen Abfälle sind bei der Entsorgung außerdem besondere Rechtsvorschriften und Regelungen zu beachten. (is)

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