Eine kleine Verwechslung mit großen Folgen

Das schadenursächliche Rohr in der Vorwandinstallation; die Markierung zeigt das korrodierte Rohrstück, das hier noch zusammenhängt.
Das schadenursächliche Rohr in der Vorwandinstallation; die Markierung zeigt das korrodierte Rohrstück, das hier noch zusammenhängt.

Vier Jahre nach dem Bau eines Therapiezentrums einer Unfallklinik kam es zu einem Wasserschaden. Aus der Kaltwasserleitung in einer Vorwandinstallation im vierten Obergeschoss trat Wasser aus und flutete die gesamte Bodenplatte. Auch das darunter liegende Geschoss wurde in Mitleidenschaft gezogen.

Der Leitungsabschnitt mit dem undichten Rohr wurde dem IFS für eine Untersuchung zugesandt. Er bestand im Wesentlichen aus Edelstahl. An einem T-Stück war über ein ca. 4 cm langes Rohrstück ein Bogenfitting angeschlossen. Das Rohrstück war stark korrodiert und im zugesandten Zustand umlaufend abgebrochen, was vermutlich durch den Ausbau verursacht wurde. Der Wasseraustritt war aus einem Wanddurchbruch in diesem Rohrstück erfolgt.

Im Labor ist die Verbindung bereits getrennt. Deutlich ist der Wanddurchbruch zu erkennen.
Im Labor ist die Verbindung bereits getrennt. Deutlich ist der Wanddurchbruch zu erkennen.

Die weitere Untersuchung zeigte, dass die Korrosion in dem Rohrstück von innen nach außen erfolgt war. Während sich an diesem Bauteil starke Korrosionsspuren und -ablagerungen befanden, waren die übrigen Rohre und Fittings nur oberflächlich verunreinigt.

Die Elementanalyse im Rasterelektronenmikroskop (REM) bestätigte den Verdacht: Bei dem Material des korrodierten Rohrstückes handelt es sich eindeutig um einen unlegierten, außen verzinkten Stahl – C-Stahl – und somit um einen für die Verwendung in Trinkwasserinstallationen ungeeigneten Werkstoff. Bauteile aus diesem Material sind z. B. für den Einsatz in Heizungsinstallationen vorgesehen, weil dort der für eine Korrosion erforderliche Sauerstoff fehlt.

Im REM wird mittels Röntgenmikroanalyse die Zusammensetzung des Werkstoffes untersucht. Bei dem korrodierten Rohrteilstück fehlen die Elemente Chrom, Nickel und Molybdän, die in einem Edelstahl vorhanden sein müssen.
Im REM wird mittels Röntgenmikroanalyse die Zusammensetzung des Werkstoffes untersucht. Bei dem korrodierten Rohrteilstück fehlen die Elemente Chrom, Nickel und Molybdän, die in einem Edelstahl vorhanden sein müssen.

Ganz offensichtlich hatte sich der Handwerker bei der Herstellung der Installation vergriffen und für das kleine Übergangsstück anstelle eines Edelstahlrohres ein verzinktes Stahlrohr erwischt. Da die Rohre äußerlich nicht leicht zu unterscheiden sind, kommen solche Verwechslungen leider immer wieder vor und führen regelmäßig zu Leitungswasserschäden. (Ma)

In diesem Artikel beschreiben wir das Thema ausführlicher und geben Tipps zur Fehlervermeidung.

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