Akku eines Elektrofahrrades gerät in Brand

Blick durch den Anbau

Neben einem kleinen Auto und einem Motorrad stand im Anbau eines Einfamilienhauses auch ein Elektrofahrrad. Es lehnte an einer Werkbank, als der Eigentümer den Akkupack in der Satteltasche mit den beiden dafür vorgesehenen Ladegeräten verband und sie einschaltete. Die Ladegeräte waren etwa in der Mitte der Werkbank an der Wand zum Wohnhaus befestigt. Knapp anderthalb Stunden später – der Mann hielt sich gerade im Keller des Hauses auf – wurde er von seiner Frau gerufen, weil diese Geräusche aus dem Anbau gehört hatte. Außerdem habe es ein zischendes Geräusch gegeben, wie von einem abblasenden Kondensator, sagte der Mann später. Beide eilten durch den Garten zur Geräuschquelle. Als sie die hintere Tür des Anbaus öffneten, sahen sie Rauch und Flammen am Fahrrad. Seine eigenen Versuche, den Brand mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen, scheiterten.
Erst die Feuerwehr konnte die Flammen unter Kontrolle bringen. Doch der Anbau brannte samt Auto, Motorrad und Fahrrad vollständig aus. Auch das Wohnhaus wurde zum Teil in Mitleidenschaft gezogen (Bild 1). Die Überwachungskameras des Hauses hatten den Schadenablauf aufgezeichnet und bestätigten die Angaben des Versicherungsnehmers. Die Aufnahmen zeigten eine schnelle Rauchentwicklung im Bereich des Hinterrades des Elektrofahrrades und kurze Zeit später eine explosionsartige Feuererscheinung (Bild 2, 3).
Für eine Laboruntersuchung im IFS Wiesbaden konnten 98 der 140 Akkuzellen aus dem Brandschutt gesammelt werden. Sie waren alle stark zerstört und zum Teil an den Polen, zum Teil in Längsrichtung aufgeplatzt; einige hatten keinen Inhal

Bilder der Überwachungskamera. Oben: Im hinteren Bereich des Elektrofahrrades kommt es zu einer Rauchentwicklung…. Unten: … nur 20 Sekunden später sind starke Flammen zu erkennen.

mehr. Auch die Verbindungen der einzelnen Zellen zum Akkupack waren zum größten Teil zerstört worden. Etwas konnte der Gutachter aber nicht einmal mehr in Fragmenten entdecken: eine Schutzbeschaltung.
Der Versicherungsnehmer hatte das Fahrrad circa zweieinhalb Jahre vor dem Brand in Einzelteilen gekauft und selbst zusammengebaut.
Den Lithium-Ionen-Akkupack hatte er komplett von einem Zwischenhändler erworben. Wie die Recherche des IFS zeigte, gab es zwischen dem Akkuhersteller und dem Zwischenhändler die Vereinbarung, dass die Li-Ionen-Zellen wegen Explosionsund Feuergefahr beim Ladevorgang ausschließlich mit Unterspannungs-Schutzbeschaltung verwendet werden durften. Doch diese Schutzbeschaltung war den Untersuchungsergebnissen nach im hier beschriebenen
Fall nicht vorhanden gewesen. Der Händler hat die getroffene Vereinbarung nicht eingehalten.
Offensichtlich gab es also technische Mängel am Akkupack. Doch von Lithium-Ionen-Akkus geht wegen der hohen  Energiedichte generell eine gewisse Brandgefahr aus. Das IFS hat bereits sehr unterschiedliche Fälle untersucht, in denen solche leistungsstarken Akkus überhitzten. Der Ladevorgang ist diesbezüglich eine besonders heikle Phase.

 

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