Wasserschaden in der neuen Einbauküche

Das Gerätezusatzventil wird im Labor untersucht.
Das Gerätezusatzventil wird im Labor untersucht.

Der Mieter aus dem ersten Stock war schon seit gut einer Woche im Urlaub, als im Erdgeschoss Wasser aus der Decke tropfte. Die Polizei öffnete die Wohnungstür und stellte fest, dass es eine Leckage in der Küche gab.

Für den Mieter muss es eine besonders garstige Überraschung gewesen sein. Hatte er doch die Küche erst wenige Wochen zuvor von einem Küchenlieferanten aufbauen lassen. Das Gerätezusatzventil, das in der Zuleitung zur Spülmaschine verbaut und nun gebrochen war, hatte der Mann allerdings nicht mit der Küche, sondern im Baumarkt gekauft.

Das Anschlussgewinde des Ventilkopfstücks ist rundum abgebrochen (Pfeile) und steckt zum Teil im Bediengriff (links), zum Teil im Ventilkörper.
Das Anschlussgewinde des Ventilkopfstücks ist rundum abgebrochen (Pfeile) und steckt zum Teil im Bediengriff (links), zum Teil im Ventilkörper.

Um zu klären, ob ein Installations-, ein Bedien- oder ein Produktfehler zum Schaden geführt hatte, wurde das Ventil dem IFS zugesandt. Das Gewinde des Messing-Ventilkopfes war rundum abgebrochen. Bei der Untersuchung der Bruchflächen zeigte sich, dass dies durch Spannungsrisskorrosion geschehen war.

Weder für eine mangelhafte Messingqualität, noch für einen Installationsfehler fand die zuständige Gutachterin Anzeichen. Auffällig war hingegen die Wandstärke im Bereich der Bruchstelle.

Im Bruchbereich beträgt die Wandstärke lediglich 0,58 mm.
Im Bruchbereich beträgt die Wandstärke lediglich 0,58 mm.

Sie betrug lediglich 0,58 mm. Bei dem Durchmesser von 13 mm, die der Ventilkopf maß, war die Wandstärke viel zu gering. Das Gewinde hätte an der gebrochenen Stelle fast doppelt so dickwandig sein müssen.

Wegen dieses Produktmangels waren durch die nutzungstypischen Belastungen beim Öffnen und Schließen des Ventils die Voraussetzungen für überhöhte Zugspannungen im Messing gegeben, die zu Spannungsrisskorrosion und schließlich zum Abbruch geführt hatten.

Die Verantwortung für den entstandenen Leitungswasserschaden lag somit beim Hersteller, der ein fehlerhaftes Produkt auf den Markt gebracht hatte. Allerdings hätte sich der Mieter der betroffenen Wohnung eine Menge Stress erspart, wenn er für die Zeit seines Urlaubes die Wasserversorgung in seiner Wohnung abgestellt hätte. Dann wären in diesem Fall die austretende Wassermenge und somit auch das Schadenausmaß deutlich geringer gewesen.

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