Wärmeleitsystem selbst konstruiert und gründlich verrechnet

Über dem Kaminofen befindet sich in der Decke eine Durchführung für ein Wärmeleitrohr.
Über dem Kaminofen befindet sich in der Decke eine Durchführung für ein Wärmeleitrohr.

Mitten in der Nacht wurde der Eigentümer eines Einfamilienhauses vom Rauchmelder geweckt. Das Erdgeschoss war stark verqualmt, wie er feststellen musste, und hinter dem dort aufgestellten Kaminofen loderten Flammen. Eine Stunde kämpfte der Mann allein gegen das Feuer, bevor er schließlich die Feuerwehr rief.

Die Einsatzkräfte suchten Glutnester und löschten sie ab. Direkte Brandschäden entstanden ausschließlich im Bereich des Kamins und im darüber liegenden Dachgeschoss. Dort hatten einige Gegenstände Feuer gefangen, die in der Nähe eines Loches im Fußboden gestanden hatten.

Am Abgasrohr ist geschmolzener Kunststoff heruntergelaufen.
Am Abgasrohr ist geschmolzener Kunststoff heruntergelaufen.

Den Kaminofen hatte der Hausbesitzer einige Monate zuvor im Baumarkt gekauft. Er stand im Erdgeschoss direkt vor dem Schornstein und war über ein Abgasrohr an diesen angeschlossen, wie auf dem ersten Bild zu sehen ist. Diese Feuerstelle hatte der Mann vom zuständigen Schornsteinfeger ordnungsgemäß abnehmen lassen.

Allerdings hatte er nach der Abnahme noch ein paar Kleinigkeiten hinzugefügt, wie der IFS-Gutachter feststellte, der den Brandschaden untersuchte. In der Decke über dem Kamin befand sich eine kreisrunde Durchführung für ein Wärmeleitrohr. Der Hauseigentümer hatte ein Wärmeleitsystem konstruiert, von dessen Komponenten keine mehr zu finden waren. Als der Gutachter mehrmals nachfragte, berichtete der Mann ihm schließlich von seinem Eigenbau.

Von der Abdeckplatte wurde mit Mühe etwas entfernt, wie die Kratzspuren zeigen.
Von der Abdeckplatte wurde mit Mühe etwas entfernt, wie die Kratzspuren zeigen.

Er hatte über dem Kniestück des Rauchrohres eine Dunstabzugshaube platziert, und von dieser über ein Kunststoffrohr die Wärme in das darüberliegende Geschoss geleitet. Die Abzugshaube war nicht ans Stromnetz angeschlossen, betonte der Mann. Doch das hatte die Brandentstehung sogar noch begünstigt. Unter der Abzugshaube entstand ein Hitzestau, und das selbstkonstruierte Wärmeleitsystem geriet schließlich in Brand.

Spuren von heruntergelaufenem Kunststoff auf dem Abgasrohr waren das einzige, was von dem Wärmeleitrohr noch zu finden war. Der eifrige Bastler hatte die Komponenten seiner Konstruktion vor dem Untersuchungstermin beseitigt. Dass er etwas von der Abdeckplatte des Kamins abgekratzt hatte, konnte er allerdings nicht verbergen, ebenso wie eine Einbrennung an der Wand über dem Abgasrohr, die in ihrer Form einer Dunstabzugshaube ähnelte.

Die Wärme des Abgasrohres zur Beheizung des Obergeschosses nutzen zu wollen, geschah sicher in bester Absicht. Aber bei der Planung seines Wärmeleitsystems hatte der Bastler die hohen Abgastemperaturen unterschätzt. Nicht umsonst hat jedes Bundesland eine Feuerungsverordnung, in der Mindestabstände zwischen Abgasrohren und brennbaren Materialien vorgeschrieben sind.

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