Von Katzen und Grablichtern

Blick in das zerstörte Wohnzimmer
Blick in das zerstörte Wohnzimmer

Am frühen Morgen wurde eine Frau von einer ihrer beiden Katzen geweckt. Das Tier verhielt sich ungewöhnlich. Als sie es auf den Balkon ihrer Etagenwohnung bringen wollte, bemerkte sie Rauch – es brannte im Wohnzimmer.

Das Feuer hatte dort erheblichen Schaden angerichtet und sich, als die Fensterscheibe zum Balkon zersprang, nach draußen ausgebreitet, wie ein IFS-Gutachter bei der Untersuchung der Wohnung feststellte.

Nach dem Platzen der Fensterscheibe hat sich das Feuer auf den Balkon ausgebreitet.
Nach dem Platzen der Fensterscheibe hat sich das Feuer auf den Balkon ausgebreitet.

Über die wärmegedämmte Fassade hatten die Flammen auch auf höher gelegene Bereiche des Gebäudes übergegriffen.

Da Feuer sich meist nach oben ausbreitet, ist bei der Untersuchung einer Brandstelle der tiefste Punkt der Brandzehrungen besonders interessant. Dieser lag im Wohnzimmer an der rechten Seite einer Kommode. Daneben hatte ein Sofa gestanden, dessen Reste im Zuge der Löscharbeiten an eine andere Stelle geraten waren.

Die Reste des Sofas wurden wieder an ihren ursprünglichen Platz gestellt. Dahinter zeichnet sich an der Wand ein Brandtrichter ab (Pfeile).
Die Reste des Sofas wurden wieder an ihren ursprünglichen Platz gestellt. Dahinter zeichnet sich an der Wand ein Brandtrichter ab (Pfeile).

Der Gutachter stellte das Möbel zurück an seinen ursprünglichen Platz. Dahinter zeichnete sich an der Wand ein Brandtrichter ab, der an der linken Seite des Sofas fußte. An diesem Punkt musste das Feuer entstanden sein.

Elektrotechnische Zündquellen gab es dort nicht. Zudem waren die elektrotechnischen Komponenten im Raum unauffällig. Rechts auf der Kommode hatte ein Grablicht gestanden, gab die Mieterin zu Protokoll. Sie sei sich nicht sicher, ob sie das Licht am Abend zuvor entzündet hatte. Doch sollte sie das getan haben, so hätte sie es vor dem Zubettgehen gelöscht, war sich die Frau sicher.

Das Grablicht stand nicht an seinem ursprünglichen Platz auf der noch gut erhaltenen Kommode und auch im Brandschutt war nichts mehr davon zu finden. Offenbar war es samt Kunststoffbecher vollständig verbrannt.

Dem Spurenbild nach war das – brennende – Grablicht von der Kommode auf das Sofa gefallen und hatte das Polstermöbel in Band gesetzt. Da Grablichter sich aber nicht von allein in Bewegung setzen, blieben nur die Katzen als Verdächtige übrig.

Offenes Feuer darf niemals unbeaufsichtigt brennen, schon gar nicht nachts in einem Wohngebäude. Wer die Angewohnheit hat, es sich beim Schein von Kerzen, Teelichtern oder wie hier einem Grablicht gemütlich zu machen, der sollte sich auch angewöhnen, bewusst zu kontrollieren, ob alle Flammen am Abend oder beim Verlassen des Hauses gelöscht sind.

Haustiere und auch Kinder sind in diesem Zusammenhang ein zusätzliches Risiko, da sie um die Gefahr nicht wissen.

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