Verwirrte Mieterin steht mit Schürhaken in der Hand auf der Straße

Das ausgebrannte Wohnzimmer
Das ausgebrannte Wohnzimmer

Feuer in einem Mehrfamilienhaus: Als die Polizei an der Brandstelle eintrifft, steht die Mieterin der betroffenen Wohnung mit einem Schürhaken in der Hand auf der Straße. Wie lange sich die Frau noch in der brennenden Wohnung aufgehalten hatte, bevor eine Nachbarin durch starke Rauchentwicklung auf das Feuer aufmerksam geworden war und sie ins Freie geholt hatte, ist nicht bekannt.

Ihr Sohn berichtet dem IFS später, was seine Mutter ihm vom Schadentag erzählt hatte: Der Ölofen im Wohnzimmer war an jenem Tag in Betrieb gewesen, hatte aber keine Wärme mehr abgegeben. Als die Frau den Brennkammerdeckel geöffnet hatte, sei ihr eine Stichflamme entgegengeschlagen.

Hinter dem Ölofen klebt eine Kunststoffschmelze auf dem Fußboden.
Hinter dem Ölofen klebt eine Kunststoffschmelze auf dem Fußboden.

Auch dem Spurenbild nach stand der Ölofen im Mittelpunkt dieses Brandschadens. Das Rauchgasrohr und der Schornstein hatten einen weitgehend freien Querschnitt. Hier gab es demnach keine Erklärung für eine unvollständige Verbrennung.

Hinter dem Ofen klebte auf dem Fußboden eine Kunststoffschmelze, die sich bei näherer Betrachtung als Rest eines Eimers mit einem darin eingebackenen Bodenwischerbezug entpuppte. Die Schmelze befand sich genau an der Stelle, an der sich am Ofen die Öffnung für die Verbrennungsluftzufuhr befand.

Mit der Schmelze des Kunststoffeimers ist ein Bodenwischerbezug verbacken.
Mit der Schmelze des Kunststoffeimers ist ein Bodenwischerbezug verbacken.

Der Eimer mit dem Wischbezug hatte dem Ofen die Sauerstoffzufuhr abgeschnitten. Darum hatte der Ofen am Schadentag keine Wärme abgegeben. Beim Öffnen des Deckels war schlagartig Luft in die Brennkammer geströmt; die Rauchgase in der Kammer zündeten durch und eine Flamme schoss heraus. Das Feuer griff nun auf Gegenstände im Wohnzimmer über und breitete sich aus.

Der Ölofen war erst einige Wochen zuvor vom Vermieter aufgestellt worden, weil der vorherige nicht mehr funktioniert hatte. Der Gutachter konnte daran weder ein Typenschild noch einen Hinweis auf den Hersteller finden. Möglicherweise handelte es sich um ein gebrauchtes Gerät. Ob die Mieterin eine Bedienungsanleitung dazu erhalten hatte, ist dem IFS nicht bekannt. Doch offensichtlich hatte sie nicht gewusst, dass sie die Luftzufuhr nicht zustellen durfte.

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